Premiere des A380: Der größte Europäer - DER SPIEGEL
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Premiere des A380 Der größte Europäer

Kanzler Schröder beschwor die Tugenden des "alten Europas", Frankreichs Präsident will den Kontinent in ein "Hauptquartier der Hochtechnologie" verwandeln: Mit einer pompös-patriotischen Show haben Politiker, Manager und Mitarbeiter den neuen Großraum-Airbus A380 gefeiert. Jetzt muss der Supervogel in der Luft halten, was am Boden versprochen wird.
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Toulouse - Die Ausmaße des A380 werden dem Beobachter spätestens klar, wenn er unter einem der vier Triebwerke steht. Beim Blick nach oben wirkt es, als habe ein Aktionskünstler eine Lkw-Zugmaschine in die Luft gehängt. Der Rumpf des Flugzeugs fällt schlicht riesig aus, in der Mitte geradezu korpulent. Zum Leitwerk fällt einem nur der Vergleich mit einem Hochhaus ein.

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Roll-out des A380: "Heute sind wir die Nummer eins"

Foto: DDP

Ein Vergleich mit Produkten der bisherigen Zivilluftfahrt jedenfalls funktioniert nicht - weil es nichts Vergleichbares gibt. Der erste fertige, weiß lackierte A380, den Airbus am Mittag in Toulouse der Öffentlichkeit präsentierte, beeindruckte die 5000 Politiker, Airbus-Mitarbeiter und Journalisten denn auch sichtlich.

Die Anwesenden saßen zunächst eng gedrängt in der Halle Jean-Luc Lagadère im Airbus-Werk Toulouse. Sie wurden Zeuge einer nicht minder groß aufgezogenen Show. Mit viel Ballett, Akrobaten, bunten Springbrunnen, feierte der Airbus-Konzern sich ausgiebig selbst und schrammte knapp am Kitsch vorbei - Circe du Soleil im Hangar. "So ein Aufwand bei der Präsentation eines Flugzeugs ist neu", wunderte sich ein Mitglied der deutschen Regierungsdelegation.

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Roll-out-Show in Toulouse: Einstein und Bach fliegen Airbus

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Die anwesenden Regierungschefs wollten da nicht nachstehen und zelebrierten den A380 als fliegende Version der europäischen Vereinigung. "Das ist ein europäisches Abenteuer", sagte Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac. "Europa kann nicht aufgehalten werden", jubelte José Luis Zapatero, Ministerpräsident von Spanien. Briten-Premier Tony Blair sprach von einem "europäischen Projekt" und erklärte den A380 zum "aufregendsten Flugzeug" überhaupt.

Schröders Seitenhiebe gegen die USA

Nur Gerhard Schröder mochte sich nicht auf derartige Hymnen beschränken: Der deutsche Regierungschef nutzte das Forum, um Industriepolitik zu machen. Der Airbus-Mutterkonzern EADS  , so Schröder, solle sich für die Russen öffnen. Im Streit mit den USA um die Subventionierung der Flugzeugindustrie sollten die Europäer ihre Interessen klar zum Ausdruck bringen. "Es soll da ja noch einen Wettbewerber geben", witzelte der Kanzler mit Blick auf den Airbus-Rivalen Boeing  . Und in Anspielung auf die Regierung Bush fügte er hinzu: "Die Traditionen im guten, alten Europa haben den A380 möglich gemacht."

Die Elite aus Airline-Business und Industriepolitik staunte nach diesen Seitenhieben gegen die USA beim anschließenden Mittagessen unter den Tragflächen weiter über den weißen Riesen. Hobbyflieger und Formel-1-Legende Niki Lauda ließ sich blicken. EU-Industriekommissar Günter Verheugen lachte mit dem Kanzler um die Wette. Virgin-Gründer Richard Branson hatte als einziger Airline-Boss die Krawatte zu Hause gelassen und grinste in die Runde - er zählt zu den Käufern des Fliegers. Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber lief englisch parlierend durch die Reihen.

Triumphgefühle an allen Stehtischen - der A380 ist eben nicht nur ein Flugzeug, sondern auch der Erfolgsausweis der europäischen Luftfahrtindustrie und ihrer bisweilen kompliziert anmutenden Kooperationsmethoden. Die Tragflächen stammen aus Großbritannien, das Höhenleitwerk aus Spanien, Rumpf und Seitenleitwerk aus Deutschland. Die Endmontage findet in Frankreich statt. Dieses Prinzip hat zwar auch schon bei den Vorgängermodellen funktioniert. Beim A380 aber ist der große Aufwand angesichts der Dimensionen noch größer.

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Großraumflieger A380: Kreuzfahrt über den Kontinenten

Foto: AFP

Dennoch wollen die Europäer mit dem Supervogel nun in dem Markt der Großraumflieger einbrechen und damit dem Erzkonkurrenten Boeing seinen letzten Monopol-Markt abnehmen. Umweltfreundlicher, sparsamer, bequemer - mit dem A380 steht der etablierten amerikanischen 747 zumindest auf dem Papier ein ebenbürtiger Rivale gegenüber. 149 Bestellungen für den Super-Airbus zeigen, dass die Fluggesellschaften es ähnlich sehen.

Zweite, entscheidende Premiere

Ob dieser Rivale nicht nur ebenbürtig, sondern auch besser ist, werden die kommenden Monate zeigen. Nach weiteren Tests wird die am Dienstag getaufte Maschine mit der Nummer MSN001 dem Plan nach Anfang April zum Jungfernflug abheben. Auch die kommenden Exemplare, von denen zwei bereits kurz vor der Fertigstellung stehen, werden zunächst als Testflugzeuge genutzt. Erst die Nummer fünf wird 2006 als erster A380 in den Linienbetrieb gehen.

Zu Testen gibt es noch viel. Abgehoben ist das größte Passagierflugzeug der Welt noch nicht. Erst im Betrieb kann die Konstruktion zeigen, ob sie wirklich so sparsam fliegt wie verkündet. Wenn nicht, könnten Kunden Nachbesserung beim Preis fordern. Negativschlagzeilen wären für den Jumbo-Konkurrenten gerade jetzt schlecht, da weitere Fluggesellschaften über eine Order nachdenken.

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A380-Präsentation: Showtime für den Supervogel

Foto: AP

Insofern steht dem Projekt A380 beim Jungfernflug noch eine zweite Premiere bevor. Dann werden bedeutend weniger Gäste anwesend sein - nur der Pilot und sein Sechser-Team. Ungeachtet dessen: Diese Premiere dürfte die wichtigere sein.