Premiere Letzte Hoffnung Bundesliga
München - Bei den Verhandlungen mit den Inhabern der Live-Übertragungsrechte gebe es Fortschritte, sagte Vorstandschef Georg Kofler heute in München, "aber Ergebnisse sind erst in den kommenden Wochen zu erwarten". Bis dahin seien Prognosen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung in diesem Jahr nicht möglich. Premiere sei aber auch ohne Fußball-Bundesliga attraktiv. "Insgesamt sind wir für den künftigen Wettbewerb im Fernsehmarkt solide und flexibel positioniert."
Bei der Übertragung der Champions-League konnte Premiere das Deutsche Sportfernsehen (DSF) als Free-TV-Partner gewinnen. Das DSF werde ab kommender Saison an jedem der 13 Spieltage eine Begegnung live ausstrahlen und außerdem die Höhepunkte der weiteren Spiele zeigen, teilten beide Sender mit. Die Top-Spiele seien aber nur auf Premiere zu sehen, betonte Kofler. Von jeder Bundesliga-Mannschaft im Wettbewerb werde DSF mindestens ein Spiel pro Saison zeigen. Die Vereinbarung gelte für die nächsten drei Jahre.
Im vergangenen Jahr machte Premiere erstmals einen Gewinn. Nach Steuern erzielte der Konzern ein Ergebnis von 48,7 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren noch Verluste in Höhe von 80,6 Millionen Euro aufgelaufen. "Bei der Profitabilität haben wir einen kräftigen Sprung nach vorne gemacht", sagte Kofler. Falls der Pay-TV-Sender in der nächsten Saison tatsächlich keine Fußball-Bundesliga senden könne, müsse er vielleicht kleinere Brötchen backen. Dies müsse aber nicht weniger profitabel sein. "Wir sind in keiner Panik- oder Katastrophenstimmung."
Arena verhandelt mit anderen
Die zu dem Kabelnetzkonsortium Unity Media gehörende Sportrechteagentur Arena hatte Premiere im Bieterverfahren um die Pay-TV-Übertragungsrechte für die Bundesliga ausgestochen. Premiere verhandelt nun nach eigenen Angaben über eine Sublizenz. Arena bestreitet allerdings, dass solche Gespräche stattfinden. "Es gibt derzeit keine Verhandlungen mit Premiere", sagte eine Arena-Sprecherin in München. Verhandelt werde mit verschiedenen anderen Partnern wie Kabel Deutschland und Astra Satellit. Die Ergebnisse sollen im März bekannt gegeben werden.
Nach Angaben aus Branchenkreisen ist Arena auch nicht an einer Weiterlizenzierung an Premiere interessiert. Seit dem Verlust der Rechte hat die Premiere-Aktie die Hälfte ihres Börsenwerts verloren. Experten rechnen mit zahlreichen Kündigungen im Sommer.
Im vergangenen Jahr konnte der Pay-TV-Sender seinen Aufwärtstrend noch fortsetzen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um gut 73,5 Prozent auf 137,5 Millionen Euro. Damit lag Premiere im Rahmen der Erwartungen. Der Gesamtumsatz legte um 9,1 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro zu. "Mit einer Wachstumsrate von 9,1 Prozent liegen wir weiterhin klar über dem Durchschnitt der deutschen Medienindustrie", sagte Kofler. Die Zahl der Abonnenten sei im vergangenen Jahr um 319.282 auf 3,57 Millionen gestiegen.
Analysten enttäuscht
Analysten hatten etwas bessere Ergebnisse und einen konkreten Ausblick erwartet. "Alles in allem sind das enttäuschende Nachrichten", sagte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.
Stefan Weiss von der WestLB sagte, erst das erste Quartal werde zeigen, wie abhängig Premiere von der Bundesliga sei. Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz erwartet einen Abonnenten-Rückgang von 20 Prozent.
Auch die Gerüchte um einen Einstieg der Investorengruppe von Haim Saban konnte die Skepsis der Analysten nicht vertreiben. Mit dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 gebe es "keine konkreten Gespräche" über einen Einstieg. Er habe auch keinen Hinweis, dass die Investorengruppe von Haim Saban einen Übernahmeversuch starten würde, sagte Kofler und verwies auf den großen Streubesitz bei Premiere. Aber dass "eine Kombination zwischen Pay-TV und Free-TV Sinn machen kann, liegt auf der Hand", sagte Kofler.
mik/dpa/ap