Presseschau "Für Schrempp ein verheerender Abgang"
"Schrempps Vision einer Welt AG, die auf allen wichtigen Märkten die gesamte Bandbreite der Modelle verkauft, ist gefloppt. Verlustreiche Einstiege bei Chrysler und Mitsubishi sind genauso Zeugnis davon wie die Probleme bei der Vorzeigemarke Mercedes-Benz. Auch für Deutschland ist dieser Wechsel ein gutes Signal. Die Zeiten des Kuschelkapitalismus in den Führungsetagen neigen sich dem Ende zu."
"Die Welt"
"Schrempps Strategie der Welt AG kostete die Anteilseigner seit seiner Ankündigung der Fusion mit Chrysler rund 18 Milliarden Euro. (...) Dass er überhaupt so lange Deutschlands größten Konzern führen konnte und sein Vertrag sogar noch vorzeitig und ohne Not verlängert wurde, belegt ein Kontrolldefizit. Schrempps Rückzug wäre spätestens vor gut einem Jahr fällig gewesen, als für alle offensichtlich wurde, wie desaströs das Engagement bei Mitsubishi ausfiel."
"Handelsblatt"
"Ohne Luft zu holen, hat Jürgen Schrempp seine Vision einer von der Stuttgarter DaimlerChrysler-Zentrale gelenkten "Welt AG" binnen kurzer Zeit zu realisieren versucht. (...) Schrempps globales Zockfieber hat der Konzern teuer bezahlen müssen. Sein vorzeitiger Abgang ohne offizielle Dankesworte kam deshalb nicht überraschend. Zugute halten muss man ihm aber, dass er trotz der vielen Misserfolge nicht eiskalt die Arbeiter in Massen vor die Tür setzte. Dank eines Beschäftigungspakts müssen 160 000 Beschäftigte in Deutschland zwar Opfer bringen, aber ihre Jobs sind bis Ende 2011 sicher."
Kölner "Express"
"Eigentlich hätte er schon damals gehen müssen. Doch wie ein Süchtiger klammerte er sich, von Deutschbankier Hilmar Kopper im Aufsichtsrat gedeckt, an seine Vision und mehr noch an seine Macht, die er durch den Rauswurf von Kritikern hielt. Ein letztes Mal hat Schrempp nun gestern tatsächlich für Euphorie an der Börse gesorgt und der Aktie Speed gegeben - mit der Ankündigung seines vorzeitigen Rückzugs. Ein einziges Mal hat er damit seinen gepriesenen Shareholdern wirklich Value gegeben - mit dem Ende seiner Karriere. Für Schrempp ein verheerender Abgang."
"Die tageszeitung"
"Am Donnerstag gab es an den Aktienmärkten einen dieser Momente: Auf sagenhafte 3,7 Milliarden Euro taxierten die Händler den Wert von Jürgen Schrempp, Vorstandschef von DaimlerChrysler, des größten deutschen Unternehmens. Allerdings bewerteten die Börsianer damit nicht die Qualitäten von Schrempp. Sie bejubelten vielmehr seinen überraschend schnellen Abgang aus der Konzernführung. (...) Soviel Euphorie um DaimlerChrysler hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben."
"Berliner Zeitung"
"Das peinliche Aus von Kimi Räikkönens McLaren-Mercedes vorigen Sonntag auf dem Hockenheimring war geradezu symptomatisch für die Verfassung des Konzerns. Dass die "Welt AG" DaimlerChrysler überhaupt jemals für längere Zeit ohne größere Aus- und Unfälle über die Runden kommt, ist anscheinend undenkbar. Vielleicht gehört das aber auch einfach dazu bei einem Gebilde dieser Größe, Komplexität, Globalität und dadurch auch Anfälligkeit, mit dessen Steuerung jeder Chauffeur permanent Probleme bekommen muss. Dann könnte es schon als achtbare Leistung zu würdigen sein, dass der empfindliche Bolide nicht vor die Wand gefahren wurde."
"Börsenzeitung"
"Schrempp hat die 1998 die historische transatlantische Beziehung geschmiedet und gilt als Meister-Stratege. Doch vielleicht sind es die Fähigkeiten Zetsches, Teams zusammenzuschweißen, auf Details zu achten und seine Ingenieursherkunft, die DaimlerChriysler nun braucht, um seine verstreuten Abläufe zu optimieren. Der Abschied Zetsches von Chrysler könnte allerdings den Schwung, den die amerikanische Tochterfirma in den letzten Jahren gewonnen hat, abrupt dämpfen. Der Abschied bedeutet auch, dass die USA einen der bekanntesten und beliebtesten Manager verlieren wird. (..) Doch die Ernennung von Zetsche ist ein Zeichen, dass DaimlerChrysler die deutsch-amerikanische Verbindung in nächster Zeit nicht auflösen will."
"Detroit News"
"Jürgen Schrempp hat auf Kritik der Aktionäre typischerweise mit Gefühlsausbrüchen und einer arroganten Verteidigungshaltung reagiert. Als er im April zu der schlechten Performance von Smart befragt wurde, reagierte er mit einem Wutausbruch und sagte, der Smart mache nur einen kleinen Teil der Gesamteinkommen der Gruppe aus. Aber der 60 Jahre alte Fitness-Fanatiker, der als gelernter Kraftfahrzeugmechaniker zu Daimler kam, ist vom Absturz von Mercedes mitgerissen worden. Einst der Liebling der Autoindustrie, litt die Marke unter Qualitätsmängeln, die Rückrufaktionen mit Kosten in Millionenhöhe nötig machten. Und auch wenn erste Erfolge der gestarteten Qualitätsoffensive zu spüren sind, liegt noch ein langer Weg vor Mercedes"
"Financial Times"