Pressestimmen: "Euro-Tölpel" - DER SPIEGEL
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Pressestimmen "Euro-Tölpel"

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Wim Duisenberg steht unter schwerem Beschuss. Zeitungen im In- und Ausland halten ihn für einen Versager.
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Hamburg - Die linksliberale britische Zeitung "The Independent", die einen Beitritt Großbritanniens zur Währungsunion unterstützt, übt scharfe Kritik am Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg:

"Mr. Duisenberg kann kaum für die Turbulenzen des Euro verantwortlich gemacht werden. Aber er hat die Situation mit seiner pannenreichen, zögernden Herangehensweise auch nicht gerade verbessert. Wenn man in Betracht zieht, dass Mr. Duisenberg der zweitmächtigste Banker der Welt ist, dann ist er eine äußerst blasse Persönlichkeit. (...) Mr. Duisenberg versagt in geradezu heroischem Ausmaß."

Auch das Düsseldorfer "Handelsblatt" rügt Duisenberg wegen seiner "unzureichenden Erklärungen":

"Tatsache ist, dass der EZB-Chef zurzeit unter keinem glücklichen Stern agiert. Seine Urteilsfähigkeit lässt zu wünschen übrig. (...) Ein zweites Mal wird es sich der EZB-Präsident nicht erlauben können, mit einem Fehlurteil einen Kursrutsch auszulösen. (...) Innerhalb der EZB muss mehr Disziplin herrschen."

Die "Bild" wirft dem niederländischen Banker vor, zuviel zu reden:

"Der schwadroniert nach Herzenslust drauf los. Plaudert rum, warum Interventionen zu Gunsten des Euro jetzt nicht helfen und reißt so unser neues Geld immer tiefer in die Krise! Die französische Zeitung "Liberation" schalt Duisenberg den "Euro-Tölpel". Dem ist nichts hinzuzufügen."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gibt zu Bedenken, dass Duisenberg die Märkte nicht zum ersten Mal verunsichert habe :

"Der Eindruck verstärkt sich zusehends, dass Duisenberg im Umgang mit den Marktakteuren keine glückliche Hand hat. (...) Vom obersten Währungshüter der wohl zweitwichtigsten Notenbank der Erde können die Märkte ein besseres Gespür für ihre Stimmungslage erwarten."

Unter dem Titel "Todsünden eines Bankers" analysiert die "Süddeutsche Zeitung":

"Geldpolitiker halten es für eine Todsünde, über Zeitpunkt oder Umfang von Eingriffen am Devisenmarkt zu reden. Die Quittung für Duisenbergs Ungeschicklichkeit folgt prompt. Der Eurokurs fällt. (...) Kommentatoren rügen ihn als Plaudertasche."

Die britische "Financial Times" befürchtet, dass nach den Debatten Duisenbergs Glaubwürdigkeit gelitten habe:

"Die in dieser Woche fehlinterpretierten Bemerkungen von Duisenberg haben in den Finanzmärkten und bei einigen europäischen Politikern die Zweifel verstärkt, die sie die ganze Zeit hatten."