Pressestimmen Telekom-Deal - Gewinn oder Pyrrhussieg?
Financial Times Deutschland:
Sommer hat immer wieder betont, dass vier Säulen den ersehnten Weltkonzern Deutsche Telekom tragen sollen: neben dem Mobilfunk das Festnetzgeschäft, der Bereich Systembetreuung für die Datenverarbeitung von Unternehmenskunden und das Internet-Geschäft... Mit dem Kauf des Mobilfunkunternehmens VoiceStream hat Sommer zwar die erste seiner vier Säulen errichtet - doch die steht noch arg wackelig da. Und sie war so teuer, dass er sich womöglich keine weitere wird leisten können.... Ron Sommer mag deshalb noch so sehr von einer Zukunft als Global Player träumen - auf dem Weg dorthin könnte sich der VoiceStream-Kauf als Pyrrhussieg erweisen.
Wall Street Journal Europe: Unter vielen Gesichtspunkten repräsentiert das Geschäft den höchsten Preis für ein Mobilfunkunternehmen... Aber VoiceStream ist auch die Geschichte über das Investieren in die Mobilfunkindustrie in Erwartung von hohem Wachstum und dem Versprechen der Globalisierung des heißesten Einzelkundenproduktes des Jahrzehntes - dem Handy. Diejenigen, die am frühesten in das VoiceStream Spiel einstiegen, sind nun die größten Gewinner...
Süddeutsche Zeitung: Denn auch wenn er schon lange an mehreren Fronten verhandelt - Telekom-Chef Ron Sommer hat nun mal nicht die Auswahl unter einer Reihe von Telefongesellschaften, die allesamt strategisch exzellent passen und im Sommerschlussverkauf billig zu haben sind... Dem Deal mag ein Hauch von Panikkauf anhaften, doch ganz unverständlich wäre die Panik - oder zumindest eine gewisse Nervosität - ja nicht.
Neue Zürcher Zeitung: Nimmt man die bestehende Kundenbasis zum Maßstab, zahlen die Deutschen einen stolzen Betrag für VoiceStream. Als Rechtfertigung wird angeführt, dass man damit auch ein hohes Potenzial an Neukunden kaufe. Tatsächlich sind in den USA die Wachstumsspielräume in der Mobiltelefonie noch größer als in Europa. Anderseits sind Neukunden nur durch erhebliche Investitionen zu gewinnen und je größer das Versprechen des Marktes, desto stärker auch die Konkurrenz. Die Frage nach künftigen Einnahmen und Margen lässt sich daher kaum zuverlässig beantworten.
Offenbach-Post: Auf den zweiten Blick kann man aber doch Gefallen an Sommers Neuerwerbung finden. Mit Hilfe aus Bonn könnte VoiceStream zum führenden Anbieter auf dem amerikanischen Markt aufgerüstet werden. Auch die Kritik am Kaufpreis ist überzogen. Anders als in Europa steht in den USA der Handy-Boom noch bevor. Deshalb versuchen Firmen aus aller Welt, auf diesem Markt Fuß zu fassen. So musste sich die Telekom im Rennen um VoiceStream gegen die japanische NTT DoCoMo durchsetzen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Übernahmen künftig noch teurer werden.
Main-Post: Ron Sommer hat natürlich Größeres im Blick. Mit dem US-Partner erschließt sich der Telekom der lukrativste Markt der Welt. Von 220 Millionen potenziellen Kunden ist die Rede. So gesehen relativiert sich der Preis. Zumal ja "nur" rund 16 Milliarden Mark wirklich gezahlt werden - der Rest wird mit 828,8 Millionen T-Aktien bezahlt, die der Bonner Riese zusätzlich herausgibt. Die Genehmigung dazu hat sich Käpt'n Sommer vorausschauend im Mai auf der Hauptversammlung geholt.
Braunschweiger Zeitung: Ob der Kauf des Mobilfunkanbieters VoiceStream der große Schritt zur Internationalisierung der Telekom ist, darf bezweifelt werden. Groß ist vorerst nur der Preis, was die Börse mit einem drastischen Kursrutsch kommentiert hat. Doch der 100-Milliarden-Deal könnte der Auftakt zu einer ganzen Serie von Übernahmen sein. Denn Telekom-Chef Ron Sommer ist in Zugzwang. Einen weiteren Auslandsflop kann er sich nicht leisten, die bisher verstolperte Expansion nach Übersee muss nun endlich vorankommen. Denn zur Strategie der Internationalisierung gibt es keine Alternative.