Private-Equity-Branche Ein Insider rechnet ab
Frankfurt am Main - Man hat sich eine dickes Fell zugelegt: Für die "Heuschrecken"-Vorwürfe aus der Politik interessieren sich die meisten Mitarbeiter von Beteiligungsfirmen kaum noch. Viel schwerer wiegt, dass mit Hans Albrecht nun einer aus den eigenen Reihen Vorwürfe erhebt. Der 51-jährige Finanzinvestor ist nicht irgendwer - er hat die Beteiligungsgesellschaft Nordwind gegründet. Zuvor war er Deutschland-Chef eines internationalen Schwergewichts im Geschäft, der Carlyle Group.
Albrechts Sorge: Wenn die Branche nicht selber für mehr Transparenz sorgt - dann wird es der Staat tun. Die Exzesse einiger weniger würden das Öffentlichkeitsbild der Mehrheit belasten, klagt er. Albrecht kann den Ruf nach Regulierung durchaus nachvollziehen. "Die Liquidität eines Unternehmens gehört nicht allein den Investoren, sondern allen Stakeholdern, also auch den Mitarbeitern", betont er.
Seine öffentliche Kritik kommt in der ansonsten auf Geheimniskrämerei erpichten Branche schlecht an. Das sei doch nur "Selbstmarketing", ist hinter vorgehaltener Hand zu hören. Albrecht selbst kokettiert mit dem Etikett "Nestbeschmutzer" - das klebe an ihm, behauptet er. Zumindest nach außen hin scheint ihn das nicht zu stören. Ihn sorge viel mehr, ob die breite Öffentlichkeit seine Einblicke in die Welt des Financial Engineering der Private-Equity- und Hedgefonds richtig versteht. Ansonsten, fürchtet er, würden ihn seine Kollegen auseinandernehmen.
"Eigentum verpflichtet", mahnt Albrecht. Eine solche Haltung lässt sich nicht mit "Quick Flips" vereinbaren, bei denen sich Investoren innerhalb weniger Monate nach dem Kauf wieder aus dem Unternehmen verabschieden - und ordentlich Rendite einstreichen. Wer ein Unternehmen gerade mal ein Jahr besitze, könne es kaum weiterentwickeln, findet Albrecht.
Kritik übt er auch an den sogenannten Recaps, bei denen übernommene Unternehmen den Private-Equity-Firmen Sonderdividenden zahlen und dafür teilweise hohe Kredite aufnehmen müssen. Mit einer hohen Schuldenlast werde es für ein Unternehmen sehr schwer, so Albrecht, eine konjunkturell schwierige Zeit durchzustehen. "Wenn die Volumina der Recaps erst einmal auf dem Tisch liegen sollten, dann wird sich mit Recht der Volkszorn an ihnen entladen", prognostiziert er.
Ungesunde Auswüchse sieht er auch bei den Gebühren, die viele Private-Equity-Gesellschaften den Unternehmen auferlegen. Manche Fondsmanager würden mehr an Management-, Transaktions-, Betreuungs- und sonstigen Gebühren verdienen als an Gewinnbeteiligungen.
Warnung vor der Spekulationsblase
Obendrein müssten die Vergütungssysteme, mit denen die Manager der übernommenen Unternehmen entlohnt werden, geändert werden, fordert Albrecht. "Insbesondere Hedgefonds richten die Vergütung des Managements ganz auf den kurzfristigen Gewinn aus", erläutert er. Wenn das Management nur für Quartalserfolge belohnt werde, werde das Unternehmen falsch gelenkt. Sollten die Aufträge einbrechen oder die Zinsen stark steigen, dann könne es für die Unternehmen ohne ausreichendes Polster finanziell zu eng werden. Den Einsatz von Fremdkapital zur Übernahme eines Unternehmens findet er übertrieben: "Multiples von 8, mit denen Unternehmen im Schnitt bewertet werden, sind Ausdruck einer immer größer werdenden Blase", kritisiert er.
Nicht, dass Albrecht Zweifel an dem Nutzen hätte, den Finanzinvestoren dem Standort Deutschland bringen können. "Aber das Problem sind diese Exzesse", sagt er. Deshalb fordert er die Branche auf, auf dem Wege der Selbstregulierung wie in Großbritannien nicht nur Transparenz herzustellen, sondern auch Grenzen für vertretbares Handeln zu definieren.
Wo diese Grenzen verlaufen sollen? "Fangen wir damit an, dass wir die diversen Gebühren offen legen und auf Recaps verzichten", sagt er. "Und wir werden wegen der Bubble nicht umhin können, die Höhe des Leverage zu begrenzen." Wenn fast der gesamte Free Cashflow für Zinsen verplant sei, werde dies die Position der Unternehmen nachhaltig schwächen.
Für Albrecht unterscheiden sich ohnehin Unternehmensverkäufe zu überhöhten Preisen nur geringfügig von Recaps. "Wenn Unternehmen völlig ohne Auflagen hinsichtlich ihrer Finanzierungsstruktur und zukünftigen Recap-Möglichkeiten verkauft werden, dann liegt der Gedanke nahe, dass es lediglich um die Maximierung des Kaufpreises oder besser der 'Ausschüttung' an die Alteigentümer geht", kritisiert er. Der Unterschied zu "Heuschrecken" sei dann eher marginal.
Albrecht weiß, dass er mit seiner Kritik und seinen Vorschlägen auch dieses Mal seinem Ruf gerecht wird.