Insgesamt 8,71 Millionen Kunden Mehr Menschen wechseln zur privaten Krankenversicherung
Arzt bei der Arbeit: Eine wichtige Kundengruppe der privaten Krankenversicherungen sind Beamte
Foto: Maurizio Gambarini / dpa8,71 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr bei einer privaten Krankenversicherung (PKV) vollversichert. Damit freut sich der Branchenverband über ein Plus, so klein es in diesem Jahr auch ausfallen mag: Der Anstieg gegenüber 2022 beträgt 0,03 Prozent – oder rund 2600 Verträge.
Jahrelang ist die Zahl der Vollversicherten langsam, aber stetig gesunken. 2011 kratzte sie noch an der Neun-Millionen-Marke.
Bemerkenswert an den aktuellen Werten ist, dass der Kundenstamm auch netto gewachsen ist. Schon seit 2018 wechseln jedes Jahr mehr Menschen von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private als umgekehrt. Allerdings wurde dieses Plus stets aufgezehrt durch Sterbefälle und Abgänge wegen gesetzlicher Versicherungspflicht. Das ist diesmal – ganz knapp – nicht so.
2023 wechselten unterm Strich 48.000 Menschen mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung in die private, ein Spitzenwert für dieses Jahrzehnt und das vorige. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Interessenverbandes hervor, die allerdings noch auf einer vorläufigen Berechnung fußen. Der Begriff »vollversichert« dient als Abgrenzung von Kunden, die ihre gesamten medizinischen Kosten privat (und nicht gesetzlich) versichern, gegenüber denen, die eine private Zusatzversicherung haben, etwa für Zahnersatz oder Einzelbettzimmer im Krankenhaus.
Die Bedingungen für das Wachstum sind derzeit offensichtlich günstig. Eine wichtige Kundengruppe der privaten Krankenversicherungen sind Beamte. Sie bekommen von ihren Dienstherren Beihilfen zur Gesundheitsversorgung und müssen nur den Anteil versichern, der davon nicht abgedeckt ist. So wird dann zum Beispiel ihre Arztrechnung zu 50 Prozent von der Beihilfe beglichen und zu 50 Prozent von der PKV – wobei sich die Anteile je nach Beamtenverhältnis stark unterscheiden, die Spanne reicht grob von 50 bis 90 Prozent Beihilfeleistung.
Auch Zusatzversicherungen im Plus
2018 machten die sogenannten Beihilfeberechtigten noch 50 Prozent unter den Vollversicherten in der PKV aus. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren gestiegen, auf knapp 53 Prozent im Jahr 2022; der Wert für 2023 liegt noch nicht vor. Mit der Entwicklung gehen seit etwa 2016 kontinuierlich steigende Zahlen von Beamtenverhältnissen einher: Gab es 2016 bundesweit noch 1,67 Millionen Beamte und Richter, so waren es 2022 1,75 Millionen. Auch hier gibt es noch keine aktuellere Zahl.
Welchen Anteil der Zuwachs der Beamtenverträge an den PKV-Zahlen hat, lässt sich nicht so einfach sagen, weil auch andere Faktoren für den Versichertenbestand eine wichtige Rolle spielen. Sie sorgen aber sicher für ein Umfeld, das für die Versicherer günstig ist. Das bestätigt auch der PKV-Verband auf Nachfrage.
Die Wechselzahlen zwischen PKV und GKV sieht Thomas Brahm, Vorsitzender des PKV-Verbandes, als Beleg für funktionierenden Wettbewerb: »Es motiviert GKV und PKV gleichermaßen, stetig besser zu werden, um die Versicherten zu überzeugen«, sagte er.
Auch in der Zusatzversicherung, die allen unabhängig vom Versichertenstatus offensteht, wuchs die Zahl der Verträge, und zwar um 2,5 Prozent auf 29,98 Millionen. Immer mehr Versicherte weiten mit zusätzlicher privater Vorsorge den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung aus.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war die Zahl der Beamten in Deutschland falsch angegeben. Außerdem hatte uns der PKV-Verband ursprünglich eine fehlerhafte Zahl für den Anteil der Beihilfeberechtigten 2022 genannt. Beides wurde korrigiert.