Private Krankenversicherungen "Das ist eine absolute Frechheit"
Hamburg - Andreas Mann ist sauer. Der 41-jährige freiberufliche Software-Entwickler ist seit rund 20 Jahren Mitglied der Deutschen Krankenversicherung (DKV). Am Mittwoch hatte er einen Brief in seiner Post, in dem ihm für das nächste Jahr eine zwanzigprozentige Erhöhung seiner monatlichen Krankenversicherungsbeiträge angekündigt wird. Für sich, seine Frau und die beiden minderjährigen Kinder muss er nun 688 Euro bezahlen - und das, obwohl er pro Kopf eine Selbstbeteiligung von rund 500 Euro im Vertrag hat. "Das ist eine absolute Frechheit", sagt Mann. "Die DKV ärgert mich seit Jahren mit immer neuen Erhöhungen".
Mann ist nicht der einzige. Alle 770.000 Versicherten der DKV erhalten dieser Tage unangenehme Post. Ab Januar 2003 werden die Beiträge drastisch steigen, in einigen Fällen um mehr als 26 Prozent. Im Schnitt, so sagte es DKV-Sprecher Stefan Hartwig, müssen Vollversicherte unter 65 Jahren mit einer Erhöhung von durchschnittlich 8,9 Prozent rechnen, für über 65-Jährige sollen die Beiträge durchschnittlich um 3,9 Prozent steigen.
"Seit Jahren steigen insbesondere in den Bereichen Arznei- und Hilfsmittel, ambulante und zahnärztliche Behandlungen die Ausgaben überdurchschnittlich an", sagte Hartwig zur Begründung. Als Beispiel für die Verteuerung führte er die Computer-Tomografie an. Diese ersetze zwar bei der Diagnose schädlichere und ungenauere Methoden, führe aber beispielsweise bei Tumorerkrankungen zu weit höheren Behandlungskosten.
Schon im August hatte DKV-Chef Jan Boetius Beitragssteigerungen im zweistelligen Bereich angekündigt. Er verwies neben den höheren Arznei- und Behandlungskosten auch auf die gestiegene Lebenserwartung, die das Unternehmen zu höheren Altersrückstellungen zwinge.
Nach Ansicht von Christian Weber, Geschäftsführer des Verbandes der privaten Krankenversicherungen, ist aus der Beitragserhöhung der DKV kein allgemeiner Trend abzuleiten. "Natürlich folgen die Beiträge langfristig den Gesundheitskosten. Das wird aber von jeder Versicherung individuell umgesetzt."
Damit liegt Weber allerdings falsch. Auch die anderen privaten Krankenversicherer lassen ihre Beitragszahler nächstes Jahr kräftiger zur Ader. Beim Deutschen Ring steht sogar eine Erhöhung um durchschnittlich neun Prozent an, Debeka und Signal Iduna verlagen im Schnitt etwa sieben Prozent mehr. Die Erhöhung der Vereinten (ab Januar Allianz Private Krankenversicherung) wird nach Angaben von Unternehmenssprecherin Kathrin Ehrig voraussichtlich zwischen vier und fünf Prozent liegen, bei der Barmenia sollen es durchschnittlich 3,5 Prozent sein.
DKV-Kunde Mann hat jedenfalls die Nase voll. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem ebenfalls einer 20-prozentigen Beitragserhöhung droht, will er seiner bisherigen Krankenkasse baldmöglichst den Rücken kehren.