Private Rentenversicherung: Die wenigsten gewähren Durchblick - DER SPIEGEL
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Private Rentenversicherung Die wenigsten gewähren Durchblick

Als Absicherung für den Ruhestand rangiert die Lebensversicherung auf der Beliebheitsskala der Deutschen ganz oben. FINANZtest hat 110 Angebote privater Rentenversicherer geprüft. Ergebnis: Die Unterschiede sind immens. Und ausgerechnet große Versicherer liegen in der Bewertung ganz hinten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die private Rentenversicherung in ihrer klassischen Form bietet einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Fließt die erste Auszahlung mit 65 Jahren, müssen nur 18 Prozent der lebenslang garantierten Rente versteuert werden. Riester- und Betriebsrenten sind dagegen voll steuerpflichtig. Deshalb wird die private Rentenversicherung auch für Leute mit regelmäßigem Einkommen zur Alternative.

Sicherheitsorientierten Sparern kommt die garantierte lebenslange Altersrente entgegen. Allerdings fehlt es allen angebotenen Verträgen an Flexibilität. Wer einmal unterschrieben hat, ist über Jahrzehnte gebunden. Vorübergehend mal nicht zu zahlen, ist zwar möglich.

Kunden müssen Beitragslücken aber schnell wieder ausgleichen. Der Ausstieg in den ersten Jahren ist nur mit schmerzhaften finanziellen Verlusten möglich, denn die Abschlusskosten werden dem Versicherten zu Vertragsbeginn in Rechnung gestellt. Und auch die Garantierendite ist mager: Die Tester haben im Schnitt gerade mal 2 Prozent auf die eingezahlten Beiträge errechnet.

Das Sparen für's Alter wird bei der privaten Rentenversicherung im Gegensatz zum Riester-Vertrag aber nicht staatlich gefördert. Diese Förderung macht das Riestersparen noch attraktiver für die private Altersvorsorge. (siehe auch Artikel Altersvorsorge aus FINANZtest 10/06).

Nur wird die gesetzliche Rente zusammen mit dem Riester-Vertrag nicht ausreichen, um die Grundversorgung im Alter zu sichern. Deshalb sollte jeder nach einer dritten Säule Ausschau halten. Das kann auch die Betriebsrente sein. Auch sie wird staatlich gefördert. Die private Rentenversicherung ist für Arbeitnehmer dann sinnvoll, wenn sie keine Betriebsrente abschließen können, keine wollen oder sich damit nicht ausreichend versorgt fühlen.

Anders als bei der gesetzlichen garantiert die private Rentenversicherung eine bestimmte Rentenhöhe. So wird der 35-jährigen FINANZtest Modellfrau, die 30 Jahre lang 1 200 Euro pro Jahr einzahlt, ab ihrem 65. Geburtstag je nach Anbieter zwischen 182 Euro und 212 Euro monatlicher Rente garantiert. Dieses Kriterium geht mit 50 Prozent ins Qualitätsurteil ein. Mit gutem Grund: Macht doch der Unterschied zum Beispiel bei der Modellkundin zwischen bester und schlechtester Garantierente 7200 Euro aus, wenn die Seniorion ihren 85. feiert.

Auf die Garantierente drauf legt der Versicherer Überschüsse aus den Kundenguthaben. Dieser Rentenanteil ist vom Anlegerglück des Versicherers am Kapitalmarkt abhängig. Für den künftigen Rentner ist diese Überschussentwicklung Goldwert. Um sich von dieser Größe ein Bild zu machen, haben die Tester den Anlageerfolg der Versicherer über die letzten drei Jahre gewichtet und in das Qualitätsurteil mit 30 Prozent einfließen lassen. In die Zukunft geblickt heißt das: Wenn die Anlagestrategie eines Versicherers weiter aufgeht, kann sich ein Sparer am Ende über einen Zuschlag von 80 Prozent auf die garantierte Rente freuen. Beim erfolgsarmen Anbieter muss sich der Kunde mit weniger als 20 Prozent Aufschlag begnügen. Er bekäme dann statt einer Garantierente von 200 Euro von einem Anbieter mit großem Anlageerfolg 360 Euro, von dem erfolgsarmen aber nur 240 Euro Rente.

Prüfpunkt Nummer drei ist die Transparenz des Angebots, der mit 20 Prozent beim Qualitätsurteil ins Gewicht fällt. Hier geht es besonders darum, wie gut Kunden anhand der vor Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen erkennen können, welche Leistung ihnen in welcher Situation zusteht.

(C) "FINANZtest" 10/2006