Produktpiraten: Selbst Viagra wird gefälscht - DER SPIEGEL
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Produktpiraten Selbst Viagra wird gefälscht

Produktpiraterie beschäftigt die EU-Zollbehörden. Neben den bekannten Nachahmungen von CDs und Textilien tauchen vermehrt gefälschte Spielzeuge und Medikamente auf. Beobachter warnen vor Gefahren für Leib und Leben der Verbraucher.
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Brüssel - Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wurden rund 75 Millionen gefälschte Produkte an den EU-Außengrenzen sichergestellt, sagte der zuständige EU-Kommissar Laszlo Kovacz. Das seien rund zehn Prozent mehr als 2003.

Gefahr für Gesundheit und Sicherheit sieht Kovacz vor allem in der steigenden Flut von nachgeahmtem Kinderspielzeug. Diese Artikel liegen inzwischen nach Zigaretten und Medienträgern wie CDs, DVDs und Kassetten an dritter Stelle bei den vom Zoll beschlagnahmten Waren. Mit zunehmender Tendenz werden aber auch Medikamente, Lebensmittel und Getränke festgehalten. Selbst Viagra kommt laut Kommission als gefälschtes Produkt auf den Binnenmarkt. Einen großen Posten machen weiter Textilien und Accessoires aus.

Rund 70 Prozent der Waren kommen den Angaben zufolge aus Asien, wobei China für etwa 60 Prozent als Hauptherkunftsland gelte. Aufgrund der Findigkeit der Händlerorganisationen ist es der Kommission zufolge außerordentlich schwierig, die Produkte bis an ihren tatsächlichen Ursprungsort zurückzuverfolgen. Die Flut von Fälschungen aus China hofft man künftig mithilfe des kürzlich geschlossenen bilateralen Abkommens über Betrug und Markenpiraterie eindämmen zu können.

Kovacs mahnte die Mitgliedstaaten, im Kampf gegen die Produktpiraterie stärker zusammenzuarbeiten. Er verwies darauf, dass die größte Anzahl an gefälschten Produkten vom Zoll nicht sichergestellt werde. Das Weltwirtschaftsforum schätzte den von Produktpiraterie 2003 verursachten Schaden auf insgesamt 450 Milliarden Euro. Auch der Markenverband in Deutschland mahnte zu einem schärferen Vorgehen der Behörden gegen die Fälscher.

"Produktpiraterie war noch nie ein Kavaliersdelikt", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Horst Prießnitz. "Die damit einhergehende Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland und Europa ist immens." Neue Qualität erhalte die Produktpiraterie mit der zunehmenden Fälschung von Konsumgütern. Dies sei womöglich lebensgefährlich.