Prognose: Wirtschaftslage immer schlimmer - DER SPIEGEL
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Prognose Wirtschaftslage immer schlimmer

Die Auswirkungen der Terror-Anschläge treffen die Deutschen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung will seine Konjunkturprognosen senken. Ökonomen rechnen damit, dass der Tiefpunkt der Krise noch nicht erreicht ist, Firmen prophezeien weiter sinkende Umsätze.
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Berlin - Auf die Schätzung für dieses Jahr werde es nur einen vergleichsweise geringen Abschlag geben, da die letzten drei Monate üblicherweise nur mit geringem Gewicht in den Jahreswert einflössen. Grund für die Korrektur sei die schwächer als erwartet ausfallende Entwicklung im vierten Quartal 2001, sagte DIW-Konjunkturchef Gustav Horn der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September würden zunehmend spürbar.

Die Wirtschaftsinstitute hatten in ihrem Herbstgutachten für 2001 ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent vorausgesagt. Die revidierte DIW-Prognose solle Anfang Januar vorgestellt werden. Darin soll vor allem die Prognose für 2002 (derzeit 1,3 Prozent) deutlich korrigiert werden. Genaue Zahlen nannte Horn nicht. Aber: "Es ist klar, dass das Wachstum im nächsten Jahr unter einem Prozent liegen wird", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rief die Bundesregierung zu entschiedenem Handeln in der Konjunktur-Krise auf. IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig plädierte unter anderem für das Vorziehen eines Teils der Steuerreform und die Absage an Steuererhöhungen. "Wir sind im Abschwung und haben die Talsohle noch nicht erreicht," sagte er der dpa. In dieser Situation sei eine "Politik der ruhigen Hand" gefährlich. Der Experte warnte zugleich, dass der Sparkurs bei den öffentlichen Haushalten eine Erholung der Konjunktur bremsen könne.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, warf der Bundesregierung vor, angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage den Kopf in den Sand zu stecken. In der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" kritisierte er auch die Europäische Union. Mit Klientelpolitik, Subventionen und dem Festhalten an nationalen Interessen torpedierten die EU-Länder ihr eigenes Versprechen, in Europa die beste Wirtschaft der Welt zu etablieren. Die Bundesregierung rief Walter auf, wegen der drohenden Weltrezession die geplante Steuerreform auf 2002 vorzuziehen.

Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer forderte eine neue wirtschaftliche Dynamik, für die es noch einen erheblichen Reformbedarf gebe. "Wir brauchen eine größere Differenzierung und Flexibilisierung der Löhne, eine entsprechende Reform des Arbeitsrechtes und vor allem eine Senkung der Sozialabgaben", zitiert ihn die "Neue Osnabrücker Zeitung". Von der Dynamik in den großen Ländern des Euro-Raums hänge auch eine künftige Höherbewertung des Euros entscheidend ab.

Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU) für das Unternehmermagazin "Impulse" ergab, dass 46,9 Prozent der Firmenchefs von einem Rückgang ihrer Umsätze ausgehen. 67,7 Prozent der 324 Befragten seien der Ansicht, dass diese Entwicklung auf die "allgemein schlechte Wirtschaftslage" zurückzuführen sei.