Prognose zum Gesundheitssystem "Schon 2010 droht der Kollaps"
Köln - Die Deutschen gingen zu oft unnötig zum Arzt, die jungen Beitragszahler fehlten, die Krankenkassen hätten kein Konzept: Aus Sicht des Sozialexperten läuft im deutschen Gesundheitssystem offenbar so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann. "Ohne massiven Umbau ist das System nicht überlebensfähig, schon 2010 droht der Finanzkollaps", sagte das Mitglied der Rürup-Kommission der "Bild"-Zeitung.
Lauterbach ist Direktor des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie. Er hatte sich schon mehrfach öffentlich über das Gesundheitswesen und Reformideen geäußert und damit aus Sicht von Kritikern die Arbeit der Rürup-Kommission belastet.
Der "Bild" sagte er nun, die Gesundheitskosten in Deutschland lägen fast ein Drittel über dem europäischen Schnitt. Zudem sei von den 520 Millionen Arztbesuchen der Deutschen im Jahr jeder vierte vermeidbar. Auch würde hier zu Lande zu wenig für die Prävention getan. Die Kassen wendeten weniger als ein Prozent ihrer Mittel für Vorbeugemaßnahmen wie Raucherentwöhnung, Ernährungsberatung oder Fitness-Programme auf.
Insgesamt sei deshalb zu beobachten, dass das deutsche Gesundheitssystem europaweit keinen Spitzenplatz mehr einnehme: "Wir sind ins Mittelmaß abgerutscht - in Forschung und Praxis". In Deutschland stürben mehr Menschen an den Folgen von Herzinfarkt, Schlaganfall, Darmkrebs und Brustkrebs als in Frankreich, Schweden, Belgien oder Spanien. Nur jeder zweite Diabetes- und Bluthochdruck-Patient werde optimal behandelt.