Prognosen Die Konjunktur schmiert ab
Hamburg - Das Hamburgische Welt-Wirtschaftsarchiv (HWWA) senkte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland auf 1,7 Prozent. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht gar von 1,3 Prozent . Noch im April hatten die deutschen Wirtschaftsinstitute in ihrer Gemeinschaftsprognose ein Wachstum vor 2,1 Prozent vorausgesagt.
Das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) sei im zweiten Quartal 2001 kaum gewachsen, heißt es zur Erklärung. Ursache seien rückläufige Exporte wegen der lahmenden Konjunktur in den USA und eine schwach entwickelte Binnennachfrage. "Die Teuerung bei Energie und Lebensmitteln, der schwache Euro und der Rückgang der Bauinvestitionen haben dämpfend auf den Konsum gewirkt", sagte HWWA-Forscher Eckhardt Wohlers. Die Entlastung durch die Steuerreform sei dadurch aufgehoben worden.
Die politischen Ziele der Bundesregierung für den Abbau der Arbeitslosigkeit sind nach Ansicht des HWWA nicht mehr erreichbar. "Im Jahresdurchschnitt werden wir 2002 rund 3,85 Millionen Arbeitslose haben", sagte Wohlers. Das liege klar über der Zielmarke von 3,5 Millionen. Er rechne allerdings damit, dass die Regierung im Wahljahr mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und anderen Aktionen die optische Zahl zu drücken versuche. "Aus konjunktureller Sicht halte ich kurzfristige Programme nicht für notwendig, wohl aber politische Reformen zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen", sagte Wohlers.
Konjunkturschwäche nur vorübergehend
Beide Institute gehen jedoch davon aus, dass es sich nur um eine vorübergehende Konjunkturschwäche handelt, die im weiteren Verlauf des Jahres überwunden werden kann. Die Inflation, die die Konjunktur in diesem Jahr bislang beeinträchtigt hat, wird nach Ansicht der Forscher in Kiel und Hamburg nachlassen und so die Wirtschaft stimulieren. "Die privaten Konsumausgaben werden dann beschleunigt ausgeweitet", heißt es beim IfW.
Rückenwind erhält die deutsche Wirtschaft auch durch die Weltkonjunktur: Nach Ansicht des IfW ist die wirtschaftliche Talsohle in den Industrieländern durchschritten. Sowohl in Euroland wie auch in den Industrieländern insgesamt sei im nächsten Jahr mit 2,5 Prozent Wachstum zu rechnen.
Die aufgehellten Erwartungen der Institute sind mit einigen Risiken versehen. Dazu zählten weiter steigende Ölpreise und ein anhaltend schwacher Euro, sagte Wohlers. Auch deutlich höhere Lohnabschlüsse in der nächsten Tarifrunde könnten das Preisklima weiter belasten.
Uneins sind sich die Institute über die Entwicklung der Leitzinsen: Während das IfW keine Zinsveränderungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet, rechnet das HWWA im Sommer mit einer Zinssenkung von 0,25 Prozent.