Projekt Desertec RWE dämpft Hoffnung auf Wüstenstrom
Hamburg - Kurz vor dem Startschuss der Wüstenstrom-Initiative Desertec dämpft Fritz Varenholt, Chef der Sparte für erneuerbare Energien beim Stromkonzern RWE, die Erwartungen: "Was mir an der ganzen Diskussion nicht gefällt, ist, dass Leute glauben, wir bauen einfach eine Leitung nach Deutschland und haben dann Wüstenstrom", sagte Vahrenholt der "Financial Times Deutschland".
"Man muss zunächst dafür sorgen, dass die afrikanischen Staaten sich selbst mit Energie aus Solarthermie versorgen können", so Vahrenholt weiter. "Es wäre doch phantastisch, wenn Länder wie Ägypten, Marokko oder Tunesien die starke Sonneneinstrahlung nutzen könnten - dann können auch wir als europäische Energieversorger dort investieren."
Länder wie Deutschland könnten immerhin langfristig von dem Bau von Sonnenkraftwerken in der Sahara profitieren. "Wenn es einen Überschuss an Strom gebe, könnten die afrikanischen Staaten diesen nach Europa exportieren."
Für einen Erfolg von Desertec sei eine Anschubfinanzierung ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland notwendig, sagte Vahrenholt weiter. RWE gehört zu einem geplanten Konsortium von 20 großen Konzernen, die am Montag den Startschuss für das Wüstenstrom-Projekt Desertec geben wollen, mit dem deutsche Haushalte mit Solarstrom aus Afrika versorgt werden sollen.
"Ich fürchte, einige afrikanische Staaten selbst werden nicht in der Lage sein, 15 oder 20 Cent pro Kilowattstunde zu bezahlen", sagte der Chef der RWE-Sparte für erneuerbare Energien. "Deshalb sollte es eine europäische Förderung geben." Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Strom aus Solarmodulen auf deutschen Hausdächern kostet derzeit etwa 40 Cent.
Dennoch hat Desertec nach Ansicht von Vahrenholt eine Chance. "Ich würde mir wünschen, dass die ersten solarthermischen Kraftwerke in der Sahara ab 2020 ans Netz gehen."
Die Versicherungsgruppe Münchner Rück hatte die Wüstenstrom-Initiative im Juni angekündigt. Erneuerbarer Strom aus Solarwärme- und Windkraftwerken soll demnach in Nordafrika produziert und über neue Hochspannungsnetze - teils am Grund des Mittelmeers - nach Europa transportiert werden. Das Projekt basiert auf Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Bundesumweltministeriums.
Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass bis 2020 weltweit 400 Sonnenkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 20.000 Megawatt gebaut werden können - damit ließen sich zwölf Prozent des deutschen Strombedarfs decken.