Propaganda Der Porno-Faux-Pas des US-Botschafters
Helsinki/Canberra - "Das klingt eigenartig. Das klingt absonderlich", entfuhr einem Sprecher des finnischen Außenministeriums, als er auf die Äußerungen des US-Repräsentanten angesprochen wurde. Auch die finnischen Sicherheitsdienste drückten gegenüber der Agentur Reuters ihre Verwunderung über das Porno-Gerücht aus. Es habe in der Vergangenheit gar keine Fälle von Pornographie-Handel in Finnland gegeben, die irgendwie in Zusammenhang mit Nordkoreanern gebracht werden könnten.
Der US-Botschafter in Australien, Tom Schieffer, hatte zuvor bei einem Auftritt vor dem Presseclub in Canberra schwere Vorwürfe gegen das nordkoreanische Regime erhoben. Um die Finanzkrise zu bewältigen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden sei, habe Nordkorea mafiöse Strukturen im Ausland aufgebaut.
Durch diese kriminellen Ableger habe das kommunistische Land nicht nur mit pornographischem Material in Finnland, sondern auch in Afrika mit Produkten geschützter Tiere wie mit zum Beispiel Rhinozeros-Hörnern gehandelt. In Australien wiederum sei Nordkorea in den Heroin-Handel verwickelt gewesen.
Die USA sind wegen der nuklearen Rüstungsprojekte Nordkoreas seit längerem in einen Konflikt mit dem Land und seinem Diktator Kim Yong-Il verwickelt. Der Vorwurf des Drogenhandels ist nicht neu, wurde aber von Pjöngjang bisher stets zurückgewiesen.
Eine Stellungsnahme Nordkoreas zum Porno-Vorwurf lag zunächst nicht vor. Die Finnen räumten ein, es seien tatsächlich mehrere nordkoreanische Diplomaten aus Finnland und nordischen Nachbarstaaten ausgewiesen worden. Das aber sei Mitte der siebziger Jahre gewesen. Und damals sei nicht um Porno-Geschäfte, sondern um illegalen Zigaretten-Handel gegangen.