ProSiebenSat.1 Saban ist wieder auf Käufersuche
München Haim Saban ist wieder auf Käufersuche: Finanzkreisen zufolge führt der ProSiebenSat.1-Eigentümer nach dem geplatzten Verkaufsdeal mit Springer nun Sondierungsgespräche mit anderen Interessenten. "Die sind weiter auf der Suche nach einem Käufer", sagte ein hochrangiger Manager eines Finanzinvestors der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt keinen offiziellen Verkaufsprozess im Moment, aber Sondierungen laufen schon die ganze Zeit über."
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete von einem Treffen Sabans mit dem ProSiebenSat.1-Management und verschiedenen Interessenten. An dem Treffen hätte die französische TF-1-Gruppe teilgenommen, die schon in der Vergangenheit Interesse an der Fernsehkette signalisiert haben soll. Ferner seien auch die beiden Beteiligungsgesellschaften KKR und Permira bei dem Gespräch anwesend gewesen. Permira war nach dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums als Großaktionär bei dem Pay-TV-Sender Premiere eingestiegen und hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr erfolgreich an die Börse gebracht. Als dritte Gruppe nannte die "SZ" die Finanzfirmen Apax und Goldman Sachs.
Nach massivem Widerstand des Kartellamtes hatte Springer im Februar auf die angestrebte Übernahme der TV-Kette für 2,5 Milliarden Euro verzichtet. Saban habe in der Runde mit den neuen Interessenten klar gemacht, dass er und die mit ihm verbundenen Investoren nun höhere Angebote erwarteten. Statt um 23 Euro je Stammaktie gehe es nun um 30 Euro und mehr. Weder ein Sprecher des Finanzinvestors noch eine Sprecherin von ProSiebenSat.1 wollten den Bericht kommentieren.
Die Investoren um den US-Milliardär Saban halten 88 Prozent der Stammaktien und 13 Prozent der Vorzüge von ProSiebenSat.1. Auch Springer wolle seine zwölf Prozent Stammaktien abgeben, berichtete die Zeitung. Der Verkauf sei für September oder Oktober vorgesehen.
Die interessierten Finanzinvestoren wollten ProSiebenSat.1 mit dem Bezahlfernsehsender Premiere verbinden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. "Bezahl-Fernsehen und frei empfangbares Fernsehen in einem Unternehmen macht Sinn", sagte HVB-Analyst Peter-Thilo Hasler. "Die Frage ist, ob Pay-TV noch Sinn macht, nun, da die Deutsche Telekom Internet-Fernsehen aufbaut."
Die Aussicht auf einen hohen Verkaufspreis trieben die Aktie der Senderkette und von Premiere heute nach oben. Mit einem Plus von 2,9 Prozent auf 22,45 Euro gehörten ProSiebenSat.1 zu den größten Gewinnern im Index für mittelgroße Werte, dem MDax. Im Sog legten auch Premiere-Aktien um knapp zwei Prozent auf 12,46 Euro zu.
ase/AFP/Reuters