ProSiebenSat.1 Springer bleibt dran - die KEK auch
Berlin/Frankfurt - Springer will seinen umstrittenen Übernahmeplan für die ProSiebenSat.1 Media AG keinesfalls aufgeben. "Klares Dementi", sagte eine Springer-Sprecherin heute zu einem Bericht des Magazins "Focus", das vorab berichtet hatte, die Fusion sei hinfällig und die Investorengruppe um den US-Unternehmer Haim Saban solle den TV-Konzern weiter führen.
Die Springer-Sprecherin sagte dazu: "Wir halten so lange an den Plänen fest, wie wir eine Chance auf Realisierung sehen. Wir prüfen, ob die Forderung des Kartellamts zum Verkauf von ProSieben rechtlich und wirtschaftlich möglich ist. Dazu werden in Kürze Gespräche aufgenommen mit der Investorengruppe um Saban."
Springer will Saban und seinen Mitgesellschaftern den Münchner TV-Konzern für 2,5 Milliarden Euro abkaufen. Nachdem die Medienaufsicht KEK den Plan wegen der dadurch entstehenden Meinungsmacht abgelehnt hatte, bietet Springer nun an, den quotenstarken Sender ProSieben aus dem Konzern zu lösen.
KEK-Chef Dieter Dörr, 53, findet es "schade", dass Springer den Verlauf von ProSieben nicht während der Verhandlungen angeboten habe. "Dann hätten wir zustimmen können", sagte Dörr in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). In dem Gespräch spricht sich Dörr zudem für eine Kompetenzerweiterung seines Gremiums aus. "Was wir bräuchten, sind Befugnisse, unmittelbar bei den Sendern zu ermitteln", sagte der Jurist. Bisher müsse die Kommission den Weg über die Landesmedienanstalten nehmen, um Auskünfte von Sendern zu erhalten. Zur Möglichkeit der Landesmedienanstalten, mit einer Dreiviertelmehrheit einen KEK-Beschluss kippen zu können, meinte Dörr: "Eine solche Revisionsinstanz ist eigentlich überflüssig."
Dörr wies die Kritik der Landesmedienanstalten an der KEK-Entscheidung, die Fusion von Springer und ProSiebenSat.1 zu untersagen, zurück: Er habe Marktwirtschaft immer so verstanden, dass Wettbewerb herrschen soll, sagte Dörr der "SZ". "Mehr Konkurrenz ist doch gut! Wir müssen dafür sorgen, dass publizistische Vielfalt im deutschen Fernsehen erhalten bleibt." Nur so sei "unsere Demokratie funktionsfähig".
Von den Plänen der Länder, die Medienaufsicht in einem anderen Gremium neu zu gestalten, hält der KEK-Chef nichts: "Ist die Sicherung der Meinungsvielfalt besser aufgehoben in der Hand eines unabhängigen Gremiums - oder soll sie Institutionen anvertraut werden, bei denen Standortinteressen eine Rolle spielen?", fragt er in der "SZ".