ProSiebenSat.1-Übernahme: Döpfners Waterloo - DER SPIEGEL
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ProSiebenSat.1-Übernahme Döpfners Waterloo

Die Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat.1 sollte sein bislang größter Coup werden. Doch nach zähen Diskussionen, geführt in aller Öffentlichkeit, steht Springer-Chef Mathias Döpfner vor der bisher schwersten Niederlage seiner Karriere.
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Berlin - "Ich schwitze immer als Letzter", erklärte der Springer-Chef der "Zeit" im vergangenen Oktober. Allerdings spielte er dabei auf den sonnigen Herbst an und nicht auf die Schweißperlen, die ihm die Übernahme von ProSiebenSat.1 auf die Stirn treiben sollte. Als Mathias Döpfner Anfang August das Milliardengeschäft mit dem Mehrheitseigner von ProSiebenSat.1, dem amerikanisch-israelischen Milliardär Haim Saban, verkündete, schien er auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu sein. Eine Karriere, die ihn in gut 20 Jahren vom freien Mitarbeiter bei einer Lokalzeitung zum Vorstandsvorsitzenden des größten europäischen Zeitungshauses gemacht hatte. Nun muss der promovierte Musikwissenschaftler Döpfner um sein Werk zittern.

Bis zuletzt versuchte Döpfner, die von vielen Experten bereits verloren gegebene Übernahme von ProSiebenSat.1 durchzubringen und damit posthum den Traum des Verlegers Axel Springer vom Einstieg in die elektronischen Medien zu verwirklichen. Aber das Bollwerk Kartellamt konnte Döpfner nicht nehmen. Die Entscheidung fällt zwar erst am 27. Januar, die Wahrscheinlichkeit der Untersagung liegt aber "bei 100 Prozent", wie eine Konzernsprecherin heute sagte. Nun bleibt Springer höchstens noch der Gang vor Gericht. Der Stratege Döpfner wird sich genau überlegen, ob er diesen Weg zu gehen bereit ist.

Karriere mit Niederlagen

Döpfners Feinde freuen sich jetzt schon über die vorhersehbare Bruchlandung für den smarten Überflieger. Viele Konkurrenten hat er mit Siebenmeilenstiefeln hinter sich gelassen, seit er als 17-Jähriger mit dem Schreiben begann. Allerdings hat Döpfner längst nicht alles zu Gold gemacht, was in seine Hände fiel. Als Chefredakteur des einstigen SED-Blatts, der Berliner "Wochenpost", kämpfte er seit 1994 mit politischen Widerständen der Redaktion gegen seine marktwirtschaftlich-liberalen Positionen. Aus den gleichen Gründen eckte er als Redaktionsleiter der "Hamburger Morgenpost" ab 1996 an.

Erst mit seinem Wechsel zum Springer-Flaggschiff "Welt" 1998 begann die eigentliche Erfolgsstory. Döpfner möbelte das angestaubte Hauptstadtblatt auf und steigerte die Auflage.

Als selbst ernannter Wahrer der Meinungsvielfalt geriet Döpfner mit dem versuchten Fernseheinstieg aber unter Beschuss. Nicht nur die Wettbewerbsbehörden fürchteten mit dem Kauf von ProSiebenSat.1 eine übermäßige Meinungskonzentration bei dem Konzern, der mit "Bild" über das mit Abstand auflagenstärkste Blatt in Deutschland verfügt. Rund 3,6 Millionen mal wird die Zeitung täglich verkauft. "Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört", titelte die "Süddeutsche Zeitung" zur Fusion von Springer und ProSiebenSat.1.

"Springer ist mein Leben", hat Döpfner erst vor Kurzem bekannt. Dass er seinen Weg bei dem Konzern fortführt, bezweifelt niemand - ob mit oder ohne die Fernsehkette. Denn Verlegerin Friede Springer steht fest zu ihrem Ziehsohn. Ein finanzielles Risiko hat Döpfner dem Konzern mit dem Geschäft ohnehin nicht aufgeladen. Die vereinbarten 2,47 Milliarden Euro für die Übernahme hat Springer nie gezahlt. Auch die sonst übliche Strafgebühr hat der Springer-Chef von vornherein ausgeschlossen, sollte er an den Hürden der Kartellwächter scheitern.

Von Stephanie Lob, AFP