Protest gegen GM-Pläne: "Stirbt Opel, stirbt Bochum" - DER SPIEGEL
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Protest gegen GM-Pläne "Stirbt Opel, stirbt Bochum"

Bochum kämpft. Mehr als 20.000 Menschen zogen heute mit Spruchbändern und Plakaten durch die Straßen, um gegen drohende Massenentlassungen bei Opel zu protestieren. Zugleich erhöhen Manager und Politiker stetig den Druck auf die Belegschaft, die Werksblockade aufzugeben und den wilden Streik zu beenden.
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Bochum - Hermann Schwiedrig muss überlegen, wann zuletzt so viel los was in Bochum. "Irgendwann Ende der sechziger, da waren es aber weniger", sinniert der 80-Jährige und reiht sich dann wieder ein in den Demonstrationszug gegen den drohenden Arbeitsplatzabbau am Opel-Standort Bochum.

Mit Schwiedrig, der früher selbst bei Opel Autos montiert hat, protestierten am Dienstagmorgen rund 20.000 Menschen - ein enormes Echo, erwartet hatte man nur die Hälfte. Vom Tor 4 aus setzte sich der Zug in Bewegung, die breite Wittener Straße hinunter zum Platz vor dem Schauspielhaus. Eine Kapelle spielt, aus einem Auto dröhnt Grönemeyers Heimathymne "Bochum".

Über mangelnde Unterstützung können sich die Opelaner nicht beklagen. Kollegen von Porsche, Mercedes, Ford und Volkswagen sind anwesend. Degussa, ThyssenKrupp und die Kumpel der Deutschen Steinkohle haben Delegationen geschickt. Die politischen Parteien, die Anti-Hartz-Fraktion, Spartakisten und der deutsch-türkische Kulturverein marschieren mit. Der VfL Bochum wünscht Glück auf und das Gasthaus Haase schenkt Fiege-Pils heute für 90 Cent aus - aus Solidarität. Die Bürgermeisterin redet und auch der Weihbischof. Bochum ist auf den Beinen.

Weil der US-Mutterkonzern 4000 der 9600 Stellen in den drei Werken vor Ort streichen und möglicherweise den ganzen Standort schließen will, fürchtet die Stadt den Absturz. Nach dem Zechensterben ist Opel der größte Arbeitgeber. An der Autofabrik hängen tausende Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie. "Stirbt Opel, stirbt Bochum" ist ein Satz, der häufig fällt an diesem Tag.

Im Kampf gegen die "Rambo-Manager" (Opel-Betriebsratschef Dietmar Hahn) aus Detroit können die Autowerker auf Bochum zählen. Die Mienen der Monteure sind dennoch finster. Seit Donnerstag ziehen sie ihre "Informationsveranstaltung" durch. Das Wort "Streik" nimmt keiner in den Mund. Die Arbeit ruht seitdem, die Lieferung der Autoteile an die Standorte in Polen, England und Belgien sind eingestellt.

Der Arbeitskampf hinterlässt zunehmend Spuren in der Belegschaft. Löhne werden nicht gezahlt. Zur Arbeit zu gehen, ohne zu arbeiten, gefällt keinem. Das Management hat am Morgen gedroht, die Wortführer an den Werkstoren zu feuern. Rechtlich wird die Drohung zwar kaum durchsetzbar sein, zur Verunsicherung der Opel-Werker trägt sie dennoch bei. "Es wird langsam eng", klagt ein Monteur im Demonstrationszug.

Für Verunsicherung sorgte auch ein Papier, mit dem der Betriebsrat aus den Verhandlungen mit der Konzernführung in Rüsselsheim zurückkehrte. Betriebsratschef Dietmar Hahn feierte das Konzept als Erfolg. Massenentlassungen seien vom Tisch, Opel in Bochum könne unter Umständen erhalten werden. Nun müsse die Belegschaft entscheiden, ob die Werksblockade beendet werde.

Der Streik wird zunehmend kritisch beurteilt. Bereits am Wochenende drängte Wirtschaftsminister Clement dazu, die Arbeit wieder aufzunehmen. Auch Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz rief zur Besonnenheit auf. Doch der Plan, den Betriebsratschef Hahn jetzt präsentierte, geht vielen nicht weit genug.

Entsprechend stehen die Opel-Arbeiter am Rande der Kundgebung zusammen und reden sich die Köpfe heiß. "Das ist zu wenig", sagt einer von ihnen. Auf den Kompromiss angesprochen, winken einige ab. Andere beschweren sich, dass sie bislang nur aus den Medien davon erfahren haben.

Nachdem auf dem Platz vor dem Theater die letzten Worte gesprochen wurden, zieht die Opel-Belegschaft zurück vor das Werkstor, um den angebotenen Kompromiss zu diskutieren und über den Abbruch des Kampfes abzustimmen. Die Stadt Bochum und die Bevölkerung haben zwar eindrucksvoll ihre Solidarität bekundet. Doch jeder spürt jetzt den Druck, den Arbeitskampf zu beenden.