Protest Stadtwerke verlassen Verband der Gasanbieter
Köln/Düsseldorf - Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) zeige kein Interesse an einer Öffnung des Marktes, begründeten die Stadtwerke Ludwigshafen, Rosenheim, Soest, Unna und Aachen ihren Entschluss. "Wir wollen mehr Wettbewerb und fühlen uns vom BGW nicht mehr vertreten", sagte der Vorstandsvorsitzende der Aachener Stadtwerke AG, Dieter Attig. Der BGW habe in den Verhandlungen mit der Regulierungsbehörde gezeigt, dass er nur die Interessen von Konzernen wie E.on Ruhrgas oder Wingas durchsetzen wolle und auf die rund 250 kommunalen Stadtwerke in Deutschland keine Rücksicht mehr nehme.
Das Ziel der austretenden Stadtwerke sei es dagegen, die bisherige Lieferkette aufzubrechen. Davon versprechen sich die Stadtwerke nicht nur höhere Gewinne, sondern auch niedrigere Preise für die Verbraucher. Verhandlungen um den freien Zugang zum Gasnetz sind laut Attig jedoch "zu einem Machtkampf ausgeartet".
Während der BGW für ein so genanntes Citygate-Modell eintrete, das Stadtwerken und Großkunden den Zugang zum überregionalen Leitungsnetz nur begrenzt einräume, kämpften die Stadtwerke für ein Modell, mit dem die Verbraucher die Möglichkeit bekämen, ähnlich wie im Strommarkt unabhängig von einem bestimmten Anbieter Gas einzukaufen. "Die klassische Verwertungskette würde so aufbrechen", glaubt Attig, und die Preise für die Endverbraucher würden damit fallen.
Bis zum 1. Februar wolle die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde ein Modell vorgeben, nach dem der Gasmarkt bis zum Herbst neu strukturiert werden soll. Die vom BGW unabhängigen Stadtwerke wollen in den Verhandlungen ihre Interessen in Zukunft jedoch vom Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) vertreten lassen, erklärte Attig. Der BGW bedauerte die Entscheidung und betonte, er wolle den Wettbewerb stärken. Doch müsse der Verband tragfähige Ergebnisse für die gesamte Branche erzielen.
Um sich von den großen Gasversorgern unabhängiger zu machen, wollen zudem mehrere Stadtwerke eine neue Gasleitung ins Ruhrgebiet verlegen. Geplant seien eine 120 Kilometer lange Pipeline vom Münsterland ins Ruhrgebiet und ein neuer Gasspeicher, bestätigte ein Sprecher der Gelsenwasser AG einen Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Gelsenwasser will das Projekt in Partnerschaft mit den Stadtwerken im Ruhrgebiet und dem Münsterland forcieren.
Kartellamtschef Böge will endlich niedrigere Preise
Im Streit um eine stärkere Öffnung des Gasmarkts will das Bundeskartellamt unterdessen noch in diesem Jahr niedrigere Preise durchsetzen. Seine Initiativen würden sich "für die Verbraucher noch in diesem Jahr in günstigeren Preisen niederschlagen", sagte Kartellamtschef Ulf Böge dem "Handelsblatt". Böge hatte in den vergangenen Monaten eine Reihe von Verfahren auf den Energiemärkten eingeleitet. Eine der heftigsten Auseinandersetzungen liefert er sich mit dem E.on-Konzern, der mit seiner Tochter Ruhrgas rund 55 Prozent des deutschen Gasmarktes kontrolliert.
Konkret geht es dabei um die Lieferverträge, mit denen der Gasversorger die Regional- und Ortsgasunternehmen über Jahre hinweg an sich bindet. Damit schottet E.on den Wettbewerbshütern zufolge den Markt in unzulässiger Weise ab. Letztlich schade dies auch dem Verbraucher, da hierdurch die Preise künstlich hoch gehalten würden.
E.on-Chef Wulf Bernotat wies die Vorwürfe zurück. Marktmacht an sich sei nicht unzulässig. "Das einzige, was das Kartellamt beanstanden kann, ist ein Missbrauch von Marktmacht. Und in diesem Punkt haben wir eben eine andere Auffassung als das Kartellamt", sagte er der Zeitung.