Prozess: Gericht verschiebt Urteilsspruch gegen Chodorkowski - DER SPIEGEL
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Prozess Gericht verschiebt Urteilsspruch gegen Chodorkowski

Eigentlich sollte heute das Urteil gegen den russischen Öl-Magnaten Michail Chodorkowski verkündet werden. Doch das Verfahren verzögert sich überraschend. Nun soll die Strafe später bekannt gegeben werden.
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Moskau - Der Urteilsspruch ist auf den 16. Mai verschoben worden. Dies ging aus einem Aushang hervor, der heute hinter der gläsernen Eingangstür des zuständigen Gerichts in Moskau angebracht wurde. Ursprünglich war das Urteil für diesen Tag vorgesehen.

Die zuständige Richterin Irina Kolesnikowa habe ihre schriftliche Urteilsbegründung noch nicht abgeschlossen, lautete die offizielle Begründung. Oppositionspolitiker vermuteten dagegen, der Kreml wolle unangenehme Fragen ausländischer Staatsgäste bei den Feiern zum Kriegsende am 9. Mai in Moskau vermeiden. "Die Staatsmacht hat verstanden, dass ein Urteilsspruch gegen Chodorkowski vor der Ankunft von US-Präsident George W. Bush und anderer Staatsgäste die Feiertagsstimmung trüben würde", sagte der fraktionslose Duma-Abgeordnete Wladimir Ryschkow.

Ein Schuldspruch gegen Chodorkowski gilt dennoch als sicher, mit Spannung wird jedoch die Höhe der Haftstrafe erwartet. Dem Angeklagten droht wegen Unterschlagung, Steuerhinterziehung und Betrugs eine Höchststrafe von zehn Jahren. Chodorkowski hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Der frühere Chef und Großaktionär des Ölkonzerns Jukos sitzt seit Oktober 2003 in Untersuchungshaft. Die wichtigste Produktionstochter seiner früheren Firma, Juganskneftegas, wurde wegen der Steuerschulden von Jukos zwangsversteigert.

Beobachter sehen in dem Verfahren einen Versuch des Kremls, den Jukos-Chef von einer weiteren politischen Betätigung abzuhalten. Chodorkowski unterstützte bis zu seiner Festnahme offen oppositionelle Gruppen.