Prozess ums Erbe Verliert Friede Springer ihre Macht?
Hamburg - Es wird ein gigantischer Medienauflauf erwartet, wenn die Richter des Erbrechtsenats am Oberlandesgericht Hamburg heute um 12 Uhr zusammentreffen, um eine Entscheidung im Fall "Springer gegen Springer" (Aktenzeichen 2U 35/04) zu verkünden. Kamerateams und Dutzende Reporter aus dem In- und Ausland haben sich angesagt.
Ob die Richter ein abschließendes Urteil verkünden werden, ist offen. Aus dem Umfeld heißt es, dass der Tenor des Urteils verlesen werden solle. Doch ebenso könnten die Richter zu der Auffassung gelangen, dass wegen weiter offener Fragen die Beweisaufnahme verlängert werden müsse.
Gut möglich, dass die Kameras nicht viel erhaschen können. Weder Kläger noch Beklagte müssen zu dem Termin erscheinen. Nicht einmal die Anwälte werden sicher erwartet - nach der Prozessordnung können sie das Urteil ebenso gut telefonisch erfragen. Und der Vorsitzende Richter hat sich ausgebeten, nicht gefilmt zu werden.
Das juristische Understatement wird der Tragweite der verhandelten Causa nicht gerecht. Immerhin könnte Friede Springer, die große Patriarchin der deutschen Presselandschaft, ihre dominierende Rolle im Springer-Konzern verlieren. Folgte das Gericht der Einschätzung des Gründerenkels Axel Sven Springer (41), dass er bei der Erbaufteilung übertölpelt wurde, erschienen 25 Jahre Pressegeschichte in neuem Licht.
Axel Sven Springer, Lieblingsenkel des "Bild"-Erfinders Axel Cäsar Springer, sieht sich von Friede Springer und Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius unrechtmäßig um den Großteil seines Erbes gebracht. Seit Jahren kämpft er mit der Witwe um die Macht bei Springer.
Unterliegt die Witwe, müsste sie nicht nur an Axel Sven Springer einen großen Teil ihrer Anteile übertragen. Die Richter könnten zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht an Springers Testament gehalten und damit den Anspruch auf jegliches Erbe verwirkt hat.
Springer wäre dann immer noch Springer. Die Familienholding bliebe Hauptaktionär des Verlags. Vorstand und Aufsichtsrat könnten ihre Arbeit weitgehend unverändert fortsetzen. Nur Friede Springer würde keine Rolle mehr spielen.