Puffer eingebaut - DER SPIEGEL
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Fernsehen Puffer eingebaut

Niederländische TV-Produzenten drängen immer stärker nach Deutschland.
• aus DER SPIEGEL 2/1994
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Freunde sind Joop van den Ende und John de Mol nicht. Die beiden ungleichen TV-Produzenten aus Holland verbindet nur eines: der Drang nach Macht und Größe.

Seit langem verhandelten sie über eine Fusion ihrer Unternehmen. Aber erst Ende vergangenen Jahres fanden die Rivalen zusammen. In New York, »ohne das Geziefer der Anwälte« (de Mol), beschlossen der athletische Yuppie de Mol, 38, und der bedächtige Pykniker van den Ende, 51, ihre Betriebe zusammenzulegen.

Der Zusammenschluß macht die niederländischen Hersteller von Erfolgs-Shows ("Traumhochzeit"), Soap-Operas ("Stadtklinik") und Reality-Shows ("Notruf") mit einem Schlag zu den größten privaten TV-Produzenten Europas. Schon für das laufende Geschäftsjahr 1993/94 erwartet die neue Firma Endemol Entertainment NV knapp eine Milliarde Mark Umsatz.

Damit die so unterschiedlichen Manager sich nicht gegenseitig in die Quere geraten, haben sie Puffer in die Gemeinschaftsfirma eingebaut. Auf dem Heimmarkt wollen sie weiter als Konkurrenten auftreten, und im Vorstand soll ein unparteiischer Finanzdirektor dafür sorgen, daß die beiden ihr gemeinsames Ziel im Auge behalten: Macht und Größe.

Denn die Fusion soll erst der Anfang einer richtigen Erfolgsstory sein. »Für uns«, sagt John de Mol, der Bruder der blonden TV-Kupplerin Linda de Mol, »ist eins plus eins gleich drei.«

Wachstum erwarten die Niederländer vor allem im Ausland. Binnen weniger Jahre sollen 80 Prozent der Einnahmen der Gemeinschaftsfirma von ausländischen Fernsehanstalten kommen; jetzt liegt deren Anteil erst bei 49 Prozent.

Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wollen die Niederländer auf allen wichtigen Märkten präsent sein. Schon jetzt verfügt Endemol Entertainment über Niederlassungen in Luxemburg, London, Köln und New York. Büros in Belgien, Skandinavien, Japan und China sind geplant und sollen dafür sorgen, daß die Seifenopern aus Holland auch an den entlegensten Orten der Welt über die Bildschirme flimmern.

Als Hauptabnehmer ihrer seichten Mattscheiben-Ware allerdings haben die aufstrebenden Niederländer die deutschen Privatstationen im Visier. Über beste Beziehungen zum Privat-Primus RTL verfügt die Gemeinschaftsfirma bereits.

John de Mol schickt bei RTL nicht nur regelmäßig seine Schwester Linda auf Brautschau. Im September 1992 hatte er mit der RTL-Muttergesellschaft CLT auch den besten Vertrag der europäischen TV-Geschichte abgeschlossen. Für RTL Deutschland zum Beispiel liefert John de Mol innerhalb von drei Jahren gut 500 Stunden Spielprogramme, Shows und Serien.

Der deutsche Markt lockt nicht nur das Aufsteiger-Duo. Auch die traditionsreiche NOB, die von Hilversum aus das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Niederlande versorgt, drängt nach Osten.

Mitte Dezember eröffnete NOB in Hürth bei Köln ein neues Aufnahmestudio. In den 10 000 Quadratmeter großen Hallen einer ehemaligen Maschinenfabrik sollen vor allem deutsche und niederländische Blödel-Serien aufgenommen werden.

Die deutsche Konkurrenz fürchtet NOB-Statthalter Arie den Oudsten nicht. Erste, noch geheime Aufträge deutscher TV-Sender sollen bereits vorliegen. Vor allem mit niedrigen Preisen will der NOB-Mann den Markt aufrollen. »Wenn wir billiger sind als andere Anbieter«, meint den Oudsten mit einem Seitenhieb auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland, »dann liegt es vielleicht daran, daß NOB ohne eine aufgeblähte Verwaltung auskommt.« Y

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