Puma-Übernahme Aktionäre setzen auf Preispoker
Nürnberg - Man befürworte zwar eine Beteiligung, frage sich aber, warum PPR die vollständige Übernahme anstrebe, sagte Gerhard Jäger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) auf der heutigen Hauptversammlung des Sportartikel-Unternehmens in Nürnberg. Zudem sollte der französische Konzern sein Angebot an die übrigen Anteilseigner von 330 Euro je Aktie nachbessern.
Jäger verwies auf den Kurs der Puma-Aktie, der im Verlauf des Handelstages bereits auf mehr als 350 Euro gestiegen sei. "Warum sollten die Aktionäre auf das Angebot eingehen?", fragte er. Dagegen verteidigte Puma-Chef Jochen Zeitz die Offerte als fair und warb für die Annahme.
Puma ist hinter Nike und Adidas die weltweite Nummer drei im Sportartikelmarkt. An der Börse wurde nach der Offerte von PPR sogleich spekuliert, dass US-Konkurrent Nike ein Bietergefecht starten könnte, zumal Adidas mit dem Kauf von Reebok den Abstand zur Nummer eins deutlich geschrumpft hatte. Dass Zeitz am Mittwoch weder eine Gegenofferte von Nike noch ein höheres Angebot von PPR ausschließen wollte, beflügelte die Aktie erneut. Das Papier kletterte um bis zu 2,3 Prozent auf 351,70 Euro. Es erscheint daher derzeit unwahrscheinlich, dass viele Aktionäre ihre Puma-Aktien für die gebotenen 330 Euro an PPR verkaufen. Vor den Aktionären gab sich Zeitz heute jedoch wieder skeptischer. Er betonte, die PPR-Aussagen liefen eindeutig in die Richtung, dass das Angebot nicht weiter erhöht werde.
Aktionäre, aber auch Vertreter institutioneller Anleger äußerten sich darüber enttäuscht. Das Angebot sei "ein extrem guter Deal für PPR, aber kein guter Deal für die Anteilseigner", hieß es. Die französische Holding vergrößerte unterdessen bereits massiv ihren Einfluss auf Puma. PPR-Chef François-Henri Pinault, sein Finanzchef Jean-François Palus sowie der PPR-Direktor für Strategie und Unternehmensentwicklung Grégoire Amigues wurden - bei einer allerdings hohen Zahl von Enthaltungen - vorsorglich in den Puma- Aufsichtsrat gewählt.
Dafür will sich der bisherige Großaktionär, Tchibo-Erbe Günter Herz, mit zweien seiner Manager aus dem Gremium zurückziehen. Die Herz-Beteiligungsfondsgesellschaft Mayfair hat ihre Anteile in Höhe von 27,1 Prozent bereits an PPR verkauft. Der Wechsel im Aufsichtsrat soll erfolgen, wenn die EU-Kommission den Zusammenschluss von PPR und Puma bis Ende November freigegeben hat.
Puma-Chef Zeitz warb für die geplante Übernahme. "Ich bin der Meinung, hier gibt es nur Gewinner", sagte er. Es gehe nicht um Kosteneinsparungen und Arbeitsplatzabbau, sondern um qualitative Synergien. Der Vorstand werde den Aktionären die Annahme des Angebots empfehlen. "Wir müssen dafür sorgen, dass der richtige Partner ins Haus kommt", sagte Zeitz. "Mit der Unterstützung von PPR wollen wir unsere Position im Hinblick auf langfristig nachhaltiges Wachstum konsequent ausbauen."
Der Nachrichtenagentur dpa sagte Zeitz, er fürchte nicht, dass der Puma-Bereich Sport bei einer PPR-Übernahme ins Hintertreffen geraten könnte. Puma werde weiterhin in die "sportliche Kompetenz" investieren. PPR sei dazu ein idealer Partner, da Sport immer modischer werde und Mode immer sportlicher. Der französische Konzern hat Mode-Luxusmarken wie Gucci und Yves Saint Laurent in seinem Portfolio.
Zeitz kündigte die Einführung weiterer Produktkategorien bei Puma an. Auch mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz sowie die Olympischen Spiele 2008 in Peking sehe man noch enormes Potenzial für die Marke, sagte er. Die Dividende für 2006 wurde von 2,00 auf 2,50 Euro erhöht.
mik/dpa/AFP