Pumpendefekte BMW, Daimler und Bosch streiten um Kosten
Stuttgart - Ein Sprecher von DaimlerChrysler sagte zum Thema Schadenersatz: "Wenn die Produktion wieder läuft, dann legen wir alles auf den Tisch." Für den Stuttgarter Konzern ist der Schaden bisher "noch nicht ganz beziffert". Der Sprecher verwies zur Sicherheit aber noch mal darauf, dass der Konzern "ein gutes Verhältnis zu Bosch" habe.
Der Hinweis war womöglich auch deshalb nötig, weil DaimlerChrysler bei der Vorstellung der Absatzzahlen für Januar am Freitag offiziell mitgeteilt hatte, dass sich "die Verzögerung der Auslieferung von Fahrzeugen mit Dieselmotoren aufgrund fehlerhafter Diesel-Hochdruckpumpen negativ auf die Mercedes-Benz-Absatzzahlen im Januar ausgewirkt hat. Im Januar sind deshalb 4200 Fahrzeuge nicht an Kunden ausgeliefert worden." Noch am Nachmittag meldete der Konzern außerdem, dass sich die fehlerhaften Dieselpumpen auch auf den Mercedes-Absatz im Februar auswirken würden.
Damit verletzte der Konzern die bisherige Regel, Lieferprobleme zwischen Autoherstellern und Zulieferern nicht in die Öffentlichkeit zu tragen.
Auch BMW, der zweite in großem Umfang betroffene Hersteller, wollte seine Schäden zunächst nicht kommentieren. In Medienberichten wurde aber bereits über einen Schaden von weit über 100 Millionen Euro für DaimlerChrysler und BMW spekuliert.
Bosch fährt rund um die Uhr Volllast
Bosch wollte bisher keine Angaben darüber machen, in welcher Art es selbst gegen solche Produktionsschäden versichert sei. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" prüft der Konzern aber, inwieweit der für das fehlerhafte Bauteil verantwortliche amerikanische Hersteller Federal Mogul in Regress genommen werden kann.
Bei der Fehlersuche an den von den Autoherstellern als mangelhaft kritisierten Einspritzpumpen für moderne Hochdruck-Dieselmotoren waren Verschleißerscheinungen der Teflonbeschichtung an den Pumpen festgestellt worden. Diese Beschichtung an Lagerbuchsen wurden Bosch selbst zugeliefert.
Am Freitagabend hatte Bosch mitgeteilt, dass die Probleme mit fehlerhaften Dieselpumpen "gelöst" seien. Die Produktion wurde am Freitagabend in vollem Umfang wieder aufgenommen und wird mit voller Kapazität rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche gefahren, um die Lieferrückstände aufzuholen.
Weitere "Unregelmäßigkeiten"
Trotz dieser vollen Auslastung der Fertigung von Dieselpumpen bei Bosch werde es in dieser Woche auch nach dem Mittwoch noch zu "Unregelmäßigkeiten" bei der Produktion kommen, sagte ein Mercedes-Sprecher. Es werde einige Tage brauchen, bis die Produktionsbänder für Diesel-Pkw wieder "rund" laufen würden. Am Montag und Dienstag würden sie noch stillstehen.
In Sindelfingen sind 20.000 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Dort werden an beiden Tagen mindestens 4000 Mercedes-Pkw nicht gebaut. Im Mercedes-Benz-Werk für Transporter im spanischen Vitoria werde die Produktion erst langsam wieder anlaufen. BMW in München hatte vergangene Woche angekündigt, dass die ursprünglich zweitägigen "Faschingsferien" am Montag und Dienstag wegen der fehlerhaften Pumpen um weitere Tage verlängert werden.
Weltweit sind beim bayerischen Autobauer über 21.000 Autos mit der fehlerhaften Dieseleinspritzpumpe gebaute Autos betroffen, davon rund 6000 in Deutschland. Diese Wagen würden zurückgerufen. Von DaimlerChrysler war nicht genau zu erfahren, wie viele Autos bisher von der fehlerhaften Pumpe betroffen sind.