Quartalsbilanz VW-Gewinn bricht um 74 Prozent ein
Wolfsburg - Bei Volkswagen ist der Nettogewinn im ersten Quartal auf 243 Millionen Euro eingebrochen, der Umsatz fiel auf rund 24 Milliarden Euro. Das teilte der Konzern am Mittwoch in Wolfsburg bei der Vorlage der Zwischenbilanz mit.
VW-Produktion in Wolfsburg: Heftige Gewinn- und Umsatzeinbußen
Foto: DDPDer Autobauer machte die weltweite Wirtschaftskrise für die schwache Geschäftsentwicklung verantwortlich. Für das Gesamtjahr erwartet VW sinkende Umsatzerlöse im Vergleich zum Vorjahr. Steigende Refinanzierungskosten würden sich zusätzlich belastend auf das Ergebnis auswirken. "Aufgrund des äußerst schwachen Geschäfts in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 gehen wir unverändert davon aus, dass das Ergebnisniveau der Vorjahre nicht erreicht werden kann", hieß es in der Mitteilung.
Der Gewinneinbruch ist beachtlich, dennoch reagieren Beobachter auf die Zahlen positiv. Das Unternehmen hatte bislang ein Abrutschen in die roten Zahlen nicht ausschließen wollen. Dass das Ergebnis nun trotz allem positiv bleibt, ist deshalb eine Überraschung - vor allem im Vergleich zu anderen Autobauern, die bereits ins Minus abgerutscht sind.
In einer ersten Reaktion sagte ein Händler, sowohl Umsatz als auch das operative Ergebnis lägen zwar deutlich unter den Vorjahreswerten, fielen insgesamt aber "ganz gut" aus. Die VW-Aktie drehte zunächst ins Plus und legte zwischenzeitlich auf bis zu 242,39 Euro zu. Gegen Mittag notierte das Papier leicht im Minus.
Operativ erwirtschaftete Volkswagen 312 Millionen Euro, gut 76 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In die Gewinnzone gerettet hat VW nur der Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeug-Geschäfts an MAN. Die Übernahme durch die Münchener, an denen VW seinerseits knapp 30 Prozent hält, trug rund 600 Millionen Euro zum operativen Ergebnis bei. Vor Steuern verdiente der VW-Konzern im Zeitraum von Januar bis März nur noch 52 Millionen Euro nach 1,37 Milliarden Euro im Vorjahr. Details zu den Zahlen will der Konzern am 29. April vorlegen.
Der Umsatz ging um 11,2 Prozent auf knapp 24 Milliarden Euro zurück. Die weltweiten Auslieferungen lagen rund elf Prozent im Minus bei 1,4 Millionen Fahrzeugen.
Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern unverändert mit einem rückläufigen Absatz und Umsatz sowie einem Ergebnis unter den Vorjahren. 2008 war bei einem Umsatz von 113,8 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 6,33 Milliarden Euro sowie ein Überschuss von 4,7 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Bisherigen Angaben zufolge stellt sich Volkswagen auf ein Absatzminus von zehn Prozent ein, nachdem im Vorjahr 6,3 Millionen Fahrzeuge verkauft wurden.
Weltweit die Nummer eins?
Immerhin: Volkswagen könnte mitten in der Krise zum größten Autokonzern der Welt aufsteigen - und zwar noch in diesem Frühjahr. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass VW in den ersten Monaten dieses Jahres die Nummer eins einnimmt", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Mittwoch in Berlin.
Der Grund: Volkswagen leidet unter der Autokrise weniger als viele Konkurrenten. Unter anderem profitiert das Unternehmen von der Abwrackprämie in Deutschland. Im vergangenen Jahr setzte Volkswagen weltweit rund 6,3 Millionen Fahrzeuge ab. Vor VW lagen noch die US-Konzerne Ford und General Motors, die aber schwer angeschlagen sind und massive Einbrüche verzeichnen.
Der langjährige Branchenführer Toyota leidet ebenfalls. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte er im Geschäftsjahr 2009/2010 nur noch 6,2 Millionen Fahrzeuge bauen.
Peugeot-Citroën verkauft ein Viertel weniger Autos
Neben VW hat auch der französische Konkurrent PSA Peugeot-Citroën am Mittwoch schlechte Zahlen vorgelegt. Der Absatz brach im ersten Quartal um 25 Prozent ein, der Umsatz schrumpfte um 3,6 Milliarden auf elf Milliarden Euro. "Wie erwartet hat uns die Krise der Autobranche voll erfasst", erklärte die PSA-Gruppe. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Verlust, nachdem das Ergebnis schon 2008 mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht war. Das Quartalsergebnis legte PSA noch nicht vor.
Der Umsatz schmolz bei den Franzosen um 23 Prozent. Für 2009 bleibt PSA bei seiner Prognose von einem Absatzrückgang von 20 Prozent in Europa. Konjunkturprogramme in Frankreich und Deutschland hätten zwar einen positiven Effekt, dennoch bleibe der Ausblick unsicher. Im Februar hatte Peugeot-Citroën bereits angekündigt, wegen der Krise 11.000 Jobs zu streichen.