Quartalsergebnis Deutsche Bank übertrifft Analysten-Prognose
Der harte Sparkurs, den sich die Deutsche Bank verordnet hat, scheint Wirkung zu zeigen. Im ersten Quartal konnte das Institut seinen Nachsteuergewinn um knapp vierzig Prozent steigern.
Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2002 nach einem Verlust im Schlussquartal 2001 wieder eine positives Ergebnis vor Steuern von 1,27 Milliarden Euro erzielt und zugleich die Prognosen von Analysten übertroffen.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als ein Vorsteuerergebnis von 912 Millionen Euro erwirtschaftet worden war, bedeutet dies ebenfalls ein Gewinnplus, wie das Institut am Montag ad hoc mitteilte. Hier hatten die Analysten mit ihrer Konsensprognose von rund 334 Millionen Euro aber einen erheblichen Rückgang erwartet.
Zwei Milliarden sollen eingespart werden
Zugleich teilte das Institut mit, die zinsunabhängigen Kosten (auf Basis der US-GAAP-Grundlage von 2001) bis 2003 um zwei Milliarden Euro verringern zu wollen. Dies soll ohne Berücksichtigung des Verkaufs von Deutscher Herold sowie der Akquisition von Scudder und RREEF erreicht werden.
Zugleich kündigte Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer in seinem Aktionärsbrief die verstärkte Konzentration auf Kerngeschäftsfelder an. Derzeit würden strategische Alternativen für einen Teil der Geschäftsfelder Securities Services und Passive Asset Management gesucht.
Das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden soll (Deutsche Bank 24, Private Banking, maxblue) unter der Dachmarke Deutsche Bank und einheitlicher Führung gebündelt werden. Im Rahmen des Zwischenberichts zum 2. Quartal am 1. August dieses Jahres soll Breuer zufolge detailliert über die ergriffenen Maßnahmen und ihre Ertragsauswirkungen berichtet werden.
Risikovorsorge wurde verdoppelt
Die Risikovorsorge sei vor allem wegen der gestiegenen Anzahl von Firmenpleiten in Deutschland und der Argentinien-Krise mehr als verdoppelt worden. Wie die Bank mitteilte, wurde sie von 186 Millionen Euro im Vorjahr auf 384 Millionen Euro angehoben - dabei seien bilanzielle Kreditrisiken von 270 Millionen Euro (112 Millionen Euro) enthalten. Der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge fiel im ersten Quartal von 1,827 Milliarden Euro auf 1,455 Milliarden Euro.
Neben den Kostensenkungen habe vor allem der Verkauf von Beteiligungen am weltweit größten Rückversicherer, Münchener Rück , sowie der nach Prämieneinnahmen größten Versicherung weltweit Allianz zur Steigerung des Vor- und Nachsteuergewinns beigetragen. Das Ergebnis aus dem Anteilsverkauf kletterte im Berichtszeitraum insgesamt auf 1,038 Milliarden Euro - nach 166 Millionen Euro im Vorjahr.
Börse reagiert verhalten
Die Aktie der Deutschen Bank hat am Montagmorgen überdurchschnittlich verloren, nachdem das Geldhaus vor Handelsbeginn seine Geschäftszahlen für das erste Quartal veröffentlicht hatte. Ein Anteilsschein der Großbank kostete 70,90 Euro und damit 1,18 Prozent weniger als vor dem Wochenende. Der Dax wurde von den schwachen US-Vorgaben belastet und sank um 0,86 Prozent auf 4.957,13 Punkte.
Die Zahlen seien keine große Überraschung - aber eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum vierten Quartal, urteilte Konrad Becker, der Wertpapiere für die Privatbank Merck, Finck & Co analysiert. Er machte "sowohl Licht als auch Schatten" in der Bilanz aus. Positiv seien die Kosteneinsparungen, die einerseits aus dem eingeläuteten Personalabbau und andererseits aus geringeren Rückstellungen für Boni resultierten.
Umsätze unter den Erwartungen
Die Schattenseite sei, dass die Umsätze "deutlich niedriger als erwartet" ausgefallen seien - vor allem das Zinsergebnis. Für den Jahresverlauf erwartet Konrad Becker "von Quartal zu Quartal größere Erfolge auf der Kostenseite", wobei entscheidend sein werde, wie die Boni für die Mitarbeiter ausfallen. Insgesamt werde das zweite Jahresviertel etwa dem ersten gleichen - einen deutlichen Aufschwung werde es nicht geben können. Das ließen die Kapitalmärkte noch nicht zu.
Georg Kanders, Analyst bei der WestLB, schätzte die Zahlen als "ganz gut, angesichts des Umfeldes" ein. Die Kosten hätten sich besser als erwartet entwickelt - dagegen das Zinsergebnis nicht. Dennoch sei die Marktreaktion "unverständlich". Im Vergleich zum vierten Quartal seien die ersten drei Monate eine deutliche Verbesserung.