Quartalsprognose Commerzbank rechnet mit Bilanz-Besserung
Berlin - Die Commerzbank sieht die eigene Lage optimistischer als angenommen: "Das zweite Quartal war tendenziell besser als das erste Quartal", sagte Firmenkundenvorstand Markus Beumer in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.
Von Januar bis März hatte die zweitgrößte deutsche Bank einen Fehlbetrag von 861 Millionen Euro eingefahren. Einzelne Analysten rechnen damit, dass die Commerzbank als einzige deutsche Großbank ihren Verlust im zweiten Quartal ausgeweitet hat. Einzelne Segmente hätten sich in dem vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Quartal unterschiedlich entwickelt. "Die aktuelle Geschäftsentwicklung ist durchwachsen", betonte Beumer.
"Im Mittelstands- und Privatkundengeschäft haben wir erneut gute Ergebnisse erzielt. Bei strukturierten Kreditprodukten haben wir aber noch viel Volatilität drin." Hier habe es weitere Belastungen gegeben. Die Risikovorsorge im Mittelstandsgeschäft, der Kernsparte der Bank, sei wegen der Wirtschaftskrise im zweiten Quartal gestiegen, sagte Beumer. In den kommenden Monaten sei mit noch mehr Kreditausfällen zu rechnen.
Auf Konzernebene erwarte die Bank für dieses Jahr nach wie vor Ausfälle von rund 3,5 Milliarden Euro. Dennoch werde am Ende im Mittelstands- und Privatkundensegment ein operativer Gewinn stehen, zeigte sich Beumer überzeugt. Wegen der Rezession sind immer mehr Firmen nicht mehr in der Lage, ihre Kredite zurückzuzahlen. Die Zahl der Insolvenzen hat sprunghaft zugenommen.
Wegen ihrer Fokussierung auf den deutschen Mittelstand ist die Commerzbank in besonderem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. "Wir sind ein Spiegelbild der Konjunktur", sagte Beumer. Gehe es den Unternehmen schlecht, bekomme das auch die Commerzbank zu spüren. Die Bank sei aber stark genug, die noch auf sie zukommenden Risiken zu stemmen. "Wir haben keinen Handlungsbedarf bei neuen Kapitalmaßnahmen des Staates.
Wir sind ausreichend kapitalisiert. Das zeigen auch Stresstests." Die Nutzung einer Bad Bank sei für die Commerzbank derzeit kein Thema. "Wir brauchen sie im Moment nicht."
Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin musste der Bank 18,2 Milliarden Euro Kapital zuschießen, um ihr Überleben zu sichern. 25 Prozent plus eine Aktie gehören seither dem Bund, keine wichtige Entscheidung geht somit mehr an diesem vorbei.