Quartalszahlen Deutsche Bank übertrifft alle Erwartungen
Frankfurt am Main - In einem Brief wandte sich Konzernchef Josef Ackermann persönlich an die Aktionäre: "Die vielfältigen Herausforderungen in der Weltwirtschaft und auf den internationalen Finanzmärkten bleiben uns zwar voraussichtlich erhalten. Gleichwohl, wenn die Rahmenbedingungen grundsätzlich stabil bleiben, sind wir davon überzeugt, dass wir unser profitables Wachstum fortsetzen und unser ehrgeiziges finanzielles Ziel für das Gesamtjahr 2005 erreichen Können." Eine Rendite von 25 Prozent will der Konzernchef dieses Jahr erwirtschaften. Mit dem heute veröffentlichten Quartalsergebnis ist er diesem Ziel wieder näher gekommen.
Von April bis Juni stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 947 Millionen Euro. Zwar blieb die Bank damit unter den 1,1 Milliarden des traditionell starken Auftaktquartals. Die Voraussagen der Analysten wurden jedoch um über 100 Millionen Euro übertroffen. Ausschlaggebend für das gute Ergebnis waren unerwartet geringe Restrukturierungskosten, eine niedrige Risikovorsorge sowie ein über den Schätzungen der Experten liegendes Zinsergebnis.
Die Dividende "deutlich" anheben
In den ersten sechs Monaten waren für die internen Umbaumaßnahmen des Konzerns lediglich Kosten von 284 Millionen Euro angefallen, an den insgesamt für 2005 veranschlagten 750 Millionen Euro hält das größte deutsche Kreditinstitut jedoch fest. Der Überschuss im Zinsgeschäft stieg um zehn Prozent auf 1,613 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge sank um 80 Millionen Euro auf 75 Millionen Euro. Das Handelsergebnis legte im zweiten Quartal um 12,5 Prozent auf 1,593 Milliarden Euro zu. Aufgrund der hohen Gewinne kündigte das Unternehmen an, für das laufende Geschäftsjahr die Dividende "deutlich" anzuheben. Für 2004 waren Anteilseignern 1,70 Euro je Aktie ausbezahlt worden.
Der umstrittene Stellenabbau wird jedoch trotz des guten Ergebnisses wie geplant fortgeführt. Rund ein Drittel der geplanten Streichungen seien inzwischen erfolgt, teilte das Unternehmen mit. Seit der Ankündigung des Programms im Februar sank die Zahl der Mitarbeiter demnach konzernweit um knapp 1700 auf 63.652 Ende Juni In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl um knapp 300 auf 26.770. Bis zum Jahresende sollen früheren Angaben zufolge insgesamt 5500 Arbeitsplätze abgebaut werden, 1920 davon in Deutschland.
Wie die Bank weiter mitteilte, wurde heute ein viertes Aktienrückkaufprogramm gestartet. Bis zum 31. Oktober 2006 könnten bis zu zehn Prozent des Grundkapitals erworben werden, also höchstens 54,83 Millionen Anteilsscheine. Die erworbenen Papiere sollten unter anderem für die Bezahlung von Mitarbeitern eingesetzt werden. Zugunsten "strategischer Wachstumsinitiativen" könnte das Programm allerdings ausgesetzt werden.