Quartalszahlen Goldman Sachs schreibt Milliardenverlust
New York - Jetzt also doch: Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs hat wegen der weltweiten Finanzkrise im vierten Quartal einem Pressebericht zufolge einen milliardenschweren Quartalsverlust verzeichnet. Goldman Sachs werde aufgrund von Abschreibungen in allen Geschäftsbereichen in den drei Monaten bis zum 28. November einen Verlust in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar ausweisen, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) am Dienstag unter Berufung auf Insider.
Dieser Verlust - der einem Minus von fünf Dollar je Aktie entspricht - wäre um ein Vielfaches höher als bislang von Analysten angenommen, schreibt die Zeitung weiter. Analysten rechnen bislang mit einem Minus im Schnitt von rund 0,62 Dollar je Anteilsschein. Sollten die Zahlen tatsächlich stimmen, würde Goldman Sachs zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 1999 in die roten Zahlen rutschen.
Ein Geschäftsbereich, der Goldman im gerade beendeten Quartal Probleme bereitet haben soll, sind sogenannte distressed investments - schlecht oder gar nicht gesicherte Investments. Laut dem "Wall Street Journal" war die Bank über Jahre Geldgeber für Projekte aller Art, darunter unsichere Auto-Kredite in Thailand, einen Likörhersteller in Südkorea oder notleidende Golfplätze in Japan. All dies sind Geschäfte, mit denen sich einst viel Geld verdienen ließ, die nun durch die Finanzkrise aber unter Druck geraten sind.
Kulturwandel in der Bank
Noch ist unklar, ob diese speziellen Investments für die Abschreibungen verantwortlich sind, die Goldman Sachs vornehmen muss - zumal die Bank den Umfang dieser Investment nicht veröffentlicht. Allerdings sei klar, dass es einen großen Teil der Geschäfte ausmache, sagten Insider dem "Wall Street Journal". Schon 2005 habe Goldman Sachs 24 Milliarden Dollar seines eigenen Kapitals hier investiert.
Dazu kommen weitere Abschreibungen zum Beispiel wegen Investitionen bei der chinesischen Bank ICBC. Goldmann habe für zwei Milliarden Dollar Aktien der Bank gekauft, doch diese seien im vierten Quartal um fast 28 Prozent gefallen - woraus alleine ein Abschreibungsverlust von rund 700 Millionen Dollar entstehen könnte.
Neben den Verlusten, die durch die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten entstanden seien, kämpfe die Bank außerdem damit, einen neuen Kurs zu finden, schreibt die Zeitung. An der Wall Street, wo die Investmentbank noch vor einem Jahr mit riskanten Wettgeschäften Rekordgewinne eingefahren hatte, muss sie sich jetzt einschränken. "Die Risiken zu reduzieren und sich wieder mehr wie eine normale Bank zu verhalten bedeutet für Goldman Sachs den größten kulturellen Richtungswechsel der gesamten Firmengeschichte", schreibt das "Wall Street Journal".
Auch Analysten geben sich inzwischen pessimistisch, was das Quartalsergebnis der Bank angeht: Sie korrigierten ihre Verlust-Prognosen von 2,47 Dollar auf vier Dollar je Aktie. Der Kurs der Goldman-Sachs-Papiere fiel zwischenzeitlich um 17 Prozent auf 65,76 Dollar. Damit hat die Aktie in diesem Jahr insgesamt 69 Prozent ihres Wertes verloren.
sam/dpa-AFX