Quelle-Autos: "Katze im Sack" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Quelle-Autos "Katze im Sack"

Der Versandhauskonzern Quelle wird von Verbraucherschützern scharf kritisiert. Auf seiner Internetseite preist das Unternehmen vollmundig Autos mit bis zu 22 Prozent Rabatt gegenüber dem Listenpreis an. Doch das Angebot hat einen Haken: Es handelt sich juristisch um Gebrauchtwagen.
Von Thomas Joppig
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf. "Die Quelle-Werbung ist verbraucherpolitisch zu beanstanden", sagt Jürgen Schröder, Jurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch der Zentralverband des Kfz-Handels bezeichnet die Offerte als unseriös. Wichtigster Grund: Bei den Wagen handelt es sich um Tageszulassungen. Um Autos also, in deren Fahrzeugbrief bereits der Name des Händlers als Erstbesitzer eingetragen ist. Um Steuern zu sparen, werden die Wagen oft ins Ausland gebracht und dann als so genannte Re-Importe sofort wieder nach Deutschland gekarrt. Das mindert zwar nicht ihre Funktionsfähigkeit, aber ihren Wert. "Wenn ein Autobesitzer nach ein paar Jahren seinen Wagen verkaufen möchte, sieht der potenzielle Käufer sofort am Fahrzeugbrief, dass der Wagen damals bereits verbilligt gekauft wurde." Die Verhandlungsbasis des Verkäufers sei somit eine schlechtere.

Doch nicht nur auf Grund dieser Tatsache sei die Quelle-Werbung fragwürdig. Da lediglich ausgewählte Modelle von Ford, VW, Nissan und Smart angeboten würden, sei - anders als im Autohaus - ein umfassender Preis-Leistungs-Vergleich ausgeschlossen, sagt Schröder: "Der Verbraucher kauft die Katze im Sack. Ihm wird ein Komplettangebot vorgesetzt, ohne dass er entscheiden kann, welche Extras er wirklich haben möchte und welche nicht."

Bei Autokäufen im Internet sei zudem grundsätzlich zu prüfen, ob der Vertragspartner im Falle einer Reklamation für den Käufer gut zu erreichen ist. Im Falle des Quelle-Angebots tritt das Versandhaus nicht selbst als Vertragspartner auf. Wer auf der Quelle-Website nach Details zum Angebot sucht, stößt schnell auf die Seite der Bayreuther Vermarktungsagentur Carplus, mit der der Kaufvertrag letztendlich auch abgeschlossen wird. Quelle werbe mit seinem Namen für Angebote eines anderen, weniger bekannten Unternehmens. Das sei irreführend, sagt Schröder.

Durch Sätze wie "Nur in begrenzter Stückzahl! Entscheiden Sie sich schnell" würde in der Quelle-Offerte zudem ein Zeitdruck erzeugt, der objektiv betrachtet unnötig sei. Denn so einmalig sei das Angebot gar nicht. Schröder: "Niemand bietet Wagen mit Erstzulassung zum Listenpreis an. Sogar für Neuwagen werden angesichts der schlechten Wirtschaftslage nicht selten Rabatte in zweistelliger Höhe gewährt."