Raffinerie-Brand Noch höhere Benzinpreise befürchtet
Hamburg - Die Lage auf dem Benzinmarkt ist extrem angespannt. Die Nachricht, in der Tosco-Raffinerie im US-Bundesstaat Kalifornien sei ein Feuer ausgebrochen, ließ die Preise in London und Rotterdam sofort in die Höhe schnellen. In London verteuerte sich Erdöl der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juni am Nachmittag um 30 Cent auf 26,85 Dollar. Der Preis für eine Tonne Benzin legte in Rotterdam zeitweise um mehr als zehn Dollar auf 345 Dollar zu.
In der Vergangenheit hatten höhere Benzinpreise in Rotterdam die Preise an deutschen Zapfsäulen auf Rekordniveau getrieben. Wegen drohender Engpässe hatten die USA in den vergangenen Wochen bereits große Mengen Benzin auf dem europäischen Markt zugekauft.
Durch das Feuer in der Raffinerie wuchs in den USA die Furcht vor einer Benzin-Verknappung in der anstehenden Hauptreisezeit
Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann sagte am Dienstag, die Auswirkungen des Raffineriebrandes auf deutschen Benzinpreise seien noch nicht absehbar. Klar sei jedoch, dass eine Erhöhung der Preise in Rotterdam Konsequenzen haben müsse. Shell-Sprecher Rainer Winzenried sagte, man beobachte zunächst noch die weitere Entwicklung der Weltmarktpreise.
Am Dienstag kostete ein Liter Normalbenzin nach Esso-Angaben durchschnittlich 2,105 Mark, während für einen Liter Super-Benzin durchschnittlich 2,146 Mark bezahlt werden musste. Der Durchschnittspreis für Diesel belief sich den Angaben zufolge auf etwa 1,669 Mark. Gegenüber dem Stand vom vergangenen Freitag seien damit die Preise um etwa drei Pfennig zurückgegangen.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) warnte am Dienstag vor gesamtwirtschaftlichen Folgen durch die hohen Kraftstoffpreise. Für viele Transportunternehmen sei es angesichts der hohen Benzinpreise schon jetzt kostengünstiger, einen Teil ihrer Fahrzeugflotte auf den Höfen stehen zu lassen und für die Fahrer Kurzarbeit anzumelden, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.