Raketenprogramm Ariane droht Finanzcrash
Berlin/Paris - Auf dem Markt für Trägerraketen ist ein Preiskrieg ausgebrochen: Der US-Konkurrent Boeing kooperiert mit den Ukrainern und Russen und startet Raketen von der Meeresplattform Sea Launch, auch Lockheed Martin bietet zusammen mit russischen Partnern billige Raketenstarts an. Zu allem Unglück liegt der Markt für den Transport von Telekommunikationssatelliten, lange wichtiger Umsatzlieferant, wegen der Krise der Telekom-Branche danieder.
So hat der europäische Raketenbetreiber Arianespace zwei Jahre in Folge rote Zahlen geschrieben: Waren es im 2000 rund 240 Millionen Euro Verlust, lag der Fehlbetrag 2001 bei 193 Millionen. Zugleich sackte der Umsatz um mehr als 25 Prozent ab. Insidern ist die Finanznot seit längerem bekannt - doch nach einem Bericht des "Handelsblattes" ist sie noch gravierender als angenommen. In den nächsten drei Jahren bestehe bei Arianespace ein Kapitalbedarf von 750 Millionen Euro, schreibt das Blatt unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.
Die industriellen Teilhaber des Unternehmens sind mit der Sanierungsaufgabe dem Bericht zufolge überfordert. Neben der französischen Raumfahrtagentur Centre National d'Etudes Spatiales (CNES), die 32,5 Prozent hält, sind rund 40 weitere Eigner aus zwölf europäischen Ländern an dem Gemeinschaftsprojekt beteiligt. Dazu gehören der Rüstungskonzern EADS, die EADS-Tochter Astrium, MAN, Fiat und mehrere Banken.
Steffen Kampeter, Obmann der Union im Haushalts-Bundestagsausschuss, forderte im "Handelsblatt" daher Bundeshilfen für Arianespace. Zu diesen Hilfen gebe es keine Alternative, wolle Europa das Feld nicht aufgeben und damit riskieren, dass europäische Unternehmen langfristig höhere, durch eine Monopolsituation verzerrte Preise für Raketendienste zahlen müssen. Allerdings müsse die Regierung von Arianespace im Gegenzug Kostensenkungen verlangen. Auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat unlängst betont, sie halte das Raketenprogramm für unverzichtbar: "Unser Kontinent braucht einen sicheren und unabhängigen Zugang zum Weltall."
In den Jahren nach dem Absturz des US-Spaceshuttles Challenger hatten die Europäer auch wegen der Schwäche der russischen Weltraumindustrie mit der Trägerrakete Ariane 4 deutlich Marktanteile hinzugewonnen. Die Preisprobleme des Raketenanbieters inzwischen sind aber beträchtlich: Ein Start der neuen Trägerrakete Ariane 5 kostet 190 Millionen Euro - 80 Millionen mehr, als marktgerecht wäre.