Rallye mit Risiken - DER SPIEGEL
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WALL STREET Rallye mit Risiken

• aus DER SPIEGEL 26/2003
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In den USA macht sich wieder Optimismus breit, und mit ihm stiegen in den vergangenen Monaten auch die Kurse an der Wall Street. Nun streiten die Experten, ob der jüngste Börsenaufschwung noch in einem angemessenen Verhältnis zu der erwarteten Konjunkturbelebung steht. Ob die Kurse also weiter steigen, oder, wie schon mehrfach in den vergangenen drei Jahren, nach kurzer Erholung weiter einbrechen. Die Optimisten verweisen darauf, dass der Aufwärtstrend diesmal nahezu alle Aktien erfasst hat und nicht nur vorzugsweise Spekulationswerte wie bei den Kurzrallyes zuvor. Keine Frage auch, dass die Börsen in besonderer Weise von der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank profitieren. Weder Staatsanleihen noch Investitionen am Geldmarkt sind derzeit besonders attraktiv: Verglichen mit deren Zinssätzen liegen selbst die Dividenden vieler Unternehmen höher. Zunehmend Sorge macht Aktienprofis allerdings, dass die Profiterwartungen der Unternehmen mit dem Kursanstieg kaum noch mithalten können. Bei den im Aktienindex Dow Jones versammelten Konzernen liegt der Preis für deren Papiere schon wieder beim 30fachen der prognostizierten Gewinne pro Aktie. Als statistisches Mittel gilt ein so genanntes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18. Kritiker argumentieren deshalb, dass die Wall Street noch immer überbewertet sei und deshalb das Schlimmste noch lange nicht überstanden habe. Noch abenteuerlicher sehen die Zahlen bei der Technologiebörse Nasdaq aus. Technologieaktien wie Cisco oder Intel sind 40- beziehungsweise 45-mal so viel wert wie ihr prognostizierter Jahresgewinn. Beim Internet-Auktionshaus EBay liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 100 und damit auf einer Höhe, die nach dem Platzen der Internet-Blase vor drei Jahren als typisches Zeichen irrationaler Übertreibungen galt. Und es spricht wenig dafür, dass die Ertragslage der US-Konzerne in naher Zukunft deutlich besser wird. Während die Kosten in vielen Branchen in den nächsten Monaten eher steigen werden - für Energie, Versicherungen oder die Pensionspläne für die Mitarbeiter -, bleibt kaum Spielraum für Preissteigerungen. Dass viele amerikanische Vorstände in den vergangenen Wochen die Gunst der Stunde nutzten und so viele Aktien verkauft haben wie seit Monaten nicht mehr, ist ebenfalls kein besonders ermutigendes Zeichen. Schließlich kann man mit Recht davon ausgehen, dass die Leute an der Spitze am besten über die Zukunftsaussichten der ihnen anvertrauten Unternehmen Bescheid wissen.

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