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MANAGER Rapide bergab

Die Frankfurter Investitions- und Handels-Bank (IHB) pumpte 80 Millionen Mark in das ertragskranke Unternehmen Gutbrod. IHB-Chef Hans Götz mußte sich zurückziehen.
• aus DER SPIEGEL 50/1971
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Noch im vergangenen Jahr feierte ihn die »Frankfurter Allgemeine« als einen »Mann, der in der Nachkriegsgeschichte der deutschen Banken einen Platz hat« -- jetzt verlor er ihn.

Hans Götz, 61, Vorstandsvorsitzender der Investitions- und Handels-Bank (IHB), wurde von seinen Aufsichtsräten gezwungen, seinen Chefsessel zu räumen: Mit einem ärztlichen Attest über eine verschleppte Rippenfellentzündung zog er sich »auf unbestimmte Zeit« (so Aufsichtsratsvorsitzender Walter Hesselbach) ins Privatleben zurück.

Eine Karriere geht damit zu Ende, deren Weg mit Schlagzeilen markiert war. 1963 gehörte das Frankfurter Bankhaus noch dem inzwischen gestürzten Revolving*-Helden Rudolf Münemann, 1964 der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG); in den folgenden Jahren wechselten die Besitzanteile oftmals schneller als die Angestellten.

Bei den Transaktionen von Münemann auf die BfG war es im Sommer 1964 zu einer hessischen Staatskrise gekommen, weil der damalige Ministerpräsident Georg-August Zinn sich für die Bank engagiert hatte. Im Mai 1969 wies das Wirtschaftsblatt »Capital« dem IHB-Chef Götz nach, daß er seine Bilanzen jahrelang künstlich verlängert hatte.

Auch die plötzliche Erkrankung des robusten Bayern Götz hängt mit einem Bankauszug zusammen, der das Institut schmerzlich trifft: Die saarländischen Gutbrod-Werke, Hersteller von Gartengeräten und Reinigungsmaschinen, haben in den letzten Monaten von der IHR insgesamt 80 Millionen Mark Kredit erhalten -- und können nicht zurückzahlen.

An den Gutbrod-Werken (mit Produktionsstätten in Bübingen und Macon in Frankreich) waren vornehmlich die Brüder Walter und Wolfgang Gutbrod, die Banque Nationale de Paris und das Schweizer Bankhaus Ehinger & Cie. beteiligt, als im vergangenen Jahr -- vornehmlich weil in Frankreich der Absatz stockte -- die Krise aus

* Revolving: Kurzfristig geliehene Gelder werden zu langfristigen Krediten zusammengehäkelt.

brach. Die IHB, bis dahin lediglich als Gläubiger einiger Wechsel- und Kontokorrent-Kredite geringfügig berührt, engagierte sich zur Überraschung der Branche mit aller Kraft bei Gutbrod.

Als fast sämtliche Banken und Zulieferer bei Gutbrod ihre Kredite kürzten, boxte der Götz-Vorstand selbst den Motoren- und Lkw-Konzern Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), der sich am Kauf der Gutbrod-Werkanlagen interessiert zeigte, aus dem Rennen und beteiligte sich mit 50 Prozent an dem geschwächten Unternehmen. Zusammen mit den Geschäftsanteilen im Wert von insgesamt 20 Millionen Mark mußte die IHB sodann »erhebliche Kredite übernehmen« (Hans Jochen Jansen, Vorstandsmitglied der IHR), die andere Geldinstitute zurückhaben wollten.

»Und dann ging alles«, so Jansen, »sehr rapide.« Die erhofften Umsätze in diesem Frühjahr blieben aus; die Lagerbestände in Macon und bei französischen Händlern waren weit unterschätzt worden; eine 1970 geplante Werkhalle kostete 20 anstatt 13 Millionen Mark.

Innerhalb eines Jahres mußte der einstige Münemann-Protegé Götz die Gutbrod-Kredite von acht auf 60 Millionen Mark erhöhen, weitere 20 Millionen steckten als Beteiligung in dem Unternehmen fest, dessen Umsätze fallende Tendenz zeigten.

Im August mußte die französische Belegschaft von einst 1100 Arbeitern und Angestellten auf 380 reduziert werden; im Werk Bübingen blieben etwa noch 800 Arbeitnehmer. Auf Lager im Saarland und in Macon liegt die Produktion eines knappen Dreivierteljahres.

Die IHB-Aktionäre -- mittlerweile neben der BfG die Girozentralen Hannover, Düsseldorf, München und Frankfurt -- wurden unruhig, denn die Verschuldung des Gutbrod-Unternehmens trieb sie in einen Finanzstrudel. In diesem Herbst kamen schon wieder neue Kreditforderungen. um die Maschinenproduktion für das saisonal im Frühjahr einsetzende Geschäft vorzufinanzieren.

Im Juli beauftragten die Girozentralen, denen etwa 70 Prozent der IHB gehören, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treuarbeit, die IHB-Bücher einmal genauer anzusehen. Bis dahin hatte der Hausprüfer der BfG Bayer die IHB-Bilanzen überwacht.

Wenig später dämmerte bei den Aufsichtsräten die Erkenntnis, daß Gutbrod die in einem Jahr angelaufene Schuldenlast aus eigener Kraft nicht mehr würde abtragen können. Den Aktionären wirde klar, daß damit zumindest ein Teil der IHB-Gelder für immer verloren ist.

Götz wurde von den Anteilseignern -- insbesondere von der Westdeutschen Landesbank -- vor die Alternative gestellt. sich entweder leise zurückzuziehen oder offiziell gefeuert zu werden. Das ärztliche Attest für eine dringend notwendige Erholung kam ihm somit gerade recht. Hesselbach: »Ich will nicht herumreden -- ein Kreis der Aktionäre ist der Meinung, Herr Götz hat einige Dinge überstrapaziert.«

IHB-Vorstand Jansen »kann heute auch nicht mehr verstehen«, aus welchem Grunde sich die Frankfurter Banker derart in den Sog ziehen ließen. Aber »den Laden jetzt zumachen« hält er für übereilt.

Während Götz sich in sein Bad Homburger Heim zurückzog, bemühten sich seine im Hause verbliebenen Vorstandskollegen um einen Sanierungsplan: Zunächst einmal soll sowohl in Frankreich als auch in Deutschland das Gutbrod-Management ausgewechselt werden, denn auch von den Geschäftsführern fühlen sich die Bankherren düpiert. Anteilseigner Wolfgang Gutbrod beispielsweise (Jansen: »Der hat unheimliche Ideen; aber einen Betrieb kann er nicht leiten") wird aus dem Management ausscheiden müssen.

Sodann will die IHB schon jetzt »einen Wertberichtigungs-Posten von etwa 20 bis 30 Millionen Mark einplanen« (Hesselbach) -- für den Fall, daß die Kredite als Verlust abgebucht werden müssen. Das Gutbrod-Kapital soll darüber hinaus aufgestockt und dadurch ein Teil der Kredite in Anteile der IHB umgewandelt werden. In Frankreich wollen die Aktionäre die Produktion noch einmal drastisch kürzen.

Über die Nachfolge von Hans Götz wird erst später entschieden, »Wer da noch seinen Stuhl räumen muß«, so Georg Kehm von der Girozentrale Frankfurt, »wird sich noch zeigen.«

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