Ray Marshall
leitet die diese Woche in Paris beginnende Konferenz der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über die weltweite Jugendarbeitslosigkeit. Das Treffen soll, wie während des Londoner Gipfeltreffens westlicher Regierungschefs im Mai 1977 verabredet wurde, für einen Austausch von Erfahrungen und Rezepten gegen die Jugendarbeitslosigkeit sorgen. US-Arbeitsminister Marshall scheint der passende Konferenz-Präsident: Sein Land verfügt über die längsten Erfahrungen mit jungen Arbeitslosen. Schon in den sechziger und frühen siebziger Jahren, als in der Bundesrepublik noch Lehrlingsmangel herrschte, erreichte die US-Jugendarbeitslosenquote bis zu 19,9 Prozent; sie sank nie unter 12,2 Prozent.
Marshall, 49, war vor seiner Berufung ins Kabinett Carter Wirtschaftsprofessor an der Universität von Texas, wo er sich vor allem mit den Arbeitsmarktproblemen von rassischen Minoritäten, Jugendlichen und Frauen beschäftigte. Im Südstaat Louisiana geboren, war Marshall mit 15 Jahren aus einem baptistischen Waisenhaus ausgerissen und kurz darauf in die US-Marine eingetreten. Nach seiner Entlassung setzte er mit Hilfe eines Stipendiums für Ex-Soldaten seine Schulausbildung fort.