Razzia EU-Fahnder durchsuchten auch E.on
Berlin - Nach ihren Razzien wegen verdächtiger Machenschaften auf dem Gasmarkt sind Europas Wettbewerbshüter nun offenbar auch wegen möglicher illegaler Absprachen auf dem Strommarkt aktiv geworden: Fahnder der EU-Kommission und des Bundeskartellamts hätten am Dienstag die Zentralen des größten deutschen Energiekonzerns E.on in Düsseldorf und München durchsucht, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf die EU.
Auslöser der Razzien seien Hinweise " auf die Existenz von Vereinbarungen zur Marktaufteilung" zwischen E.on und seinem Hauptkonkurrenten RWE aus Essen gewesen, zitierte das Blatt aus den Unterlagen der Kommission.
Nur das Top-Management und wenige Mitarbeiter beider Firmen sollen an den Absprachen beteiligt sein, wie es weiter heißt. Die Ermittler hätten Unterlagen, Datenträger und Computer der Konzernleitung um E.on-Chef Wulf Bernotat beschlagnahmt. Den Hinweisen zufolge hätten E.on und RWE auch vereinbart, "die gegenseitigen traditionellen Liefergebiete zu respektieren" und sich dort keine Konkurrenz zu machen.
Ein Sprecher der E.on-Konzerns wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE zu Berichten über die Ermittlungen der EU-Kommission nicht äußern. "Unser derzeitiger Stand ist: kein Kommentar", sagte er heute.
Bereits Mitte Mai hatte die EU-Kommission in Deutschland und fünf weiteren Ländern große Gasversorger durchsuchen lassen. Auch damals gerieten der Essener RWE-Konzern und die E.on-Tochter Ruhrgas ins Visier der Ermittler. Bei der jetzigen Razzia war RWE nach eigenen Angaben nicht betroffen. Die EU-Kommission nannte die Namen der durchsuchten Firmen nicht.
kaz/AFP/Dow Jones