Reaktion von Volkswirten "Eine Chance vertan"
Berlin - Andreas Rees von der Hypovereinsbank sprach mit Blick auf die Vereinbarung für betriebliche Verlängerungen der Wochenarbeitszeit von einem enttäuschenden Kompromiss. "Hier ist eine Chance für die Metallindustrie vertan worden." Die Einigung, wonach Arbeitszeitverlängerungen in einzelnen Betrieben nur mit Zustimmung der Gewerkschaft möglich sein sollen, schaffe ein "bürokratisches Monster". "Hier hätte ich mir schon mehr Zugeständnisse der IG Metall gewünscht, den Betrieben mehr Eigenverantwortung zu überlassen."
Dagegen wertete Manuela Preuschl von der Deutschen Bank die Vereinbarung als fairen Kompromiss. "Auch die Entscheidung zu den Öffnungsklauseln ist ein Schritt nach vorne."
Einhellig begrüßt wurde der Lohnabschluss mit Einkommenserhöhungen um 2,2 Prozent ab 1. März dieses Jahres und 2,7 Prozent ab 1. März 2005 bis Ende Februar 2006. Die Einigung bewege sich im Rahmen der Erwartungen, sagte Rees. "Es war klar, dass der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hier Zugeständnisse machen musste." Preuschl sagte, sie sehe keinen inflationären Impuls durch die Tariferhöhung. "Es ist auch ein gutes Signal für die anderen Branchen."
Die IG Metall war mit der Forderung nach vier Prozent höheren Einkommen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten ursprünglich in zwei Stufen je 1,2 Prozent angeboten.