Reaktionen: "Das ist der helle Wahnsinn" - DER SPIEGEL
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Reaktionen "Das ist der helle Wahnsinn"

Vertreter der Spitzenverbände des deutschen Einzelhandels versetzt der neu entbrannte Preiskrieg der Discount-Märkte in Angst und Schrecken. Sie befürchten den Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen.
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Düsseldorf - Die Branche ist alarmiert, denn sie befürchtet, der Preiskampf könne auch auf den normalen Lebensmittelhandel übergreifen. "Das ist der helle Wahnsinn", stöhnt der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Wenn es nicht gelinge, der Abwärtsspirale Einhalt zu gebieten, drohe eine Pleitewelle im Einzelhandel, die auch große Ketten erfassen könne. Allein in diesem Jahr werden nach Schätzungen des Verbandes 20.000 Arbeitsplätze im Handel verloren gehen.

"Es herrscht ein erbarmungsloser Preiskrieg da draußen", meint der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, Gerd Härig. Auch er sieht die Entwicklung mit Sorge. Sogar die Top Ten gerieten inzwischen ins Schlingern, wie der Fall Tengelmann zeige. Das Unternehmen hatte erst im Februar die Schließung von 300 unrentablen Supermärkten angekündigt.

Auch wenn der Verbraucher zunächst einmal vom Preiskrieg profitiere, werde er auf Dauer zu den Verlierern gehören, glaubt Härig. Der Weg zum Lebensmittelgeschäft werde immer weiter, die Vielfalt des Angebots immer geringer und irgendwann - wenn der Markt erst einmal bereinigt sei - würden wohl auch die Preise wieder steigen.

Der Herausforderer Wal-Mart aber, der bisher in Deutschland mit einem Umsatz von etwa 5,5 Milliarden Mark eher zu den Zwergen gehört, dürfte von seiner Provokation und dem dadurch ausgelösten Preiskrieg auf jeden Fall profitieren. Dank der gut gefüllten Taschen der amerikanischen Muttergesellschaft kann er einen Preiskampf lange Zeit durchhalten. Einige weniger starke Konkurrenten könnten dem wachstumshungrigen Unternehmen dabei wie reife Früchte in den Schoß fallen. Außerdem hängt sein Umsatz längst nicht so sehr wie der von Aldi von den Discount-Produkten ab. Es handele sich nur um 80 von insgesamt 75.000 Artikeln, die ein Wal-Mart-Supercenter gewöhnlich anbiete, betont Unternehmenssprecherin Susanne Müller.

Erich Reimann