Reaktionen: "Der Bock ist schon durchsiebt" - DER SPIEGEL
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Reaktionen "Der Bock ist schon durchsiebt"

Jürgen Stamm, Aufsichtsrat bei DaimlerChrysler und T-Systems und gleichzeitig Gewerkschafter, sieht die Deutsche Telekom als Hauptschuldigen am Toll-Collect-Desaster. Allerdings gebe es mehrere, die einen großen Bock geschossen haben. "Der Bock ist schon ganz durchsiebt", so Stamm.
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Stuttgart/Frankfurt - Das vorläufige Scheitern der Lkw-Maut ist nach Einschätzung von Jürgen Stamm, Aufsichtsrat der beiden Toll-Collect-Konsortialunternehmen T-Systems und DaimlerChrysler nicht dem Stuttgarter Autokonzern anzulasten.

Der in den Kontrollgremien der Telekom-Tochter T-Systems und von DaimlerChrysler Services vertretene Stamm sagte, dass DaimlerChrysler nicht "die Hauptschuld an diesem Desaster trägt". Die Verantwortung für die Kündigung der Maut-Verträge durch die Bundesregierung liege eher bei der T-Systems-Muttergesellschaft Deutsche Telekom und der inzwischen abgelösten früheren Führung des Maut-Konsortiums Toll Collect, so der hauptberuflich als Geschäftsführer der Stuttgarter IG Metall tätige Stamm. Die Telekom wollte die Äußerungen des Aufsichtsrats zunächst nicht kommentieren.

Unterdessen verlautete aus Branchenkreisen, DaimlerChrysler habe zuletzt Interesse an einem Ausstieg aus Toll Collect signalisiert. "DaimlerChrysler hat in den jüngsten Gesprächen mit dem Verkehrsministerium den Wunsch nach einer vertraglichen Ausstiegsklausel geäußert", hieß es in den Kreisen. Bereits seit längerem kursieren Spekulationen, wonach Siemens als Hersteller der Maut-Geräte in den Lkw in das Konsortium aus Deutscher Telekom, DaimlerChrysler und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute einsteigen könnte. "Es gibt mehrere Schuldige, die einen großen Bock geschossen haben. Der Bock ist schon ganz durchsiebt", sagte Aufsichtsrat Stamm. Die Planung für die Lkw-Maut sei von Anfang an - auch auf Druck der Politik - falsch angelegt gewesen. "Man wollte zu viel in viel zu kurzer Zeit", fügte der Gewerkschafter hinzu. "Jeder wusste, dass man ein solches Projekt nicht in einem Jahr stemmen kann." Er räumte ein, dass die beiden Unternehmen T-Systems und DaimlerChrysler Services zu spät begonnen hätten, die Probleme bei Toll Collect ernst zu nehmen. Bis wenige Tage vor dem ursprünglichen Starttermin Ende August 2003 hatten sowohl Toll Collect als auch die Politik noch einen pünktlichen Starttermin prognostiziert.

Nach Einschätzung des Gewerkschaftsvertreters hat der Vorstand von DaimlerChrysler mit Vorstandschef Jürgen Schrempp zuletzt auf eine vernünftige Lösung gedrängt. "Daimler ist aufgewacht", sagte Stamm. Der von der Bundesregierung abgelehnte Vorschlag zur stufenweisen Einführung der Maut zum Jahreswechsel 2004/05 sei "ein ehrgeiziges Projekt, aber machbar". Als neuer Lieferant für die Maut-Einbaugeräte in den Lkw, die so genannten On-Board-Units, sei der Siemens-Konzern vorgesehen. Siemens wollte sich nicht dazu äußern, ob das Unternehmen sich am Maut-Konsortium beteiligen wolle. Eine Sprecherin sagte, "da gibt es für uns derzeit nichts zu kommentieren." Deutsche Telekom-Vorstandsmitglied Josef Brauner hatte Ende Januar erst erklärt, er könne sich eine Beteiligung Siemens an Toll Collect durchaus vorstellen. Auch im Bundesverkehrsministerium war diese Idee positiv aufgenommen worden.