Reaktionen: "Noch nicht das Ende" - DER SPIEGEL
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Reaktionen "Noch nicht das Ende"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Warschau - Mit Erleichterung haben ehemalige NS-Zwangsarbeiter die Abweisung der Sammelklagen gegen deutsche Banken aufgenommen. Doch in die Freude mischte sich schnell Skepsis. "Ich würde gerne glauben, dass der Weg frei ist, aber ich kann es nicht", sagte ein ehemaliger tschechischer Zwangsarbeiter.

Auch Vertreter der polnischen NS-Zwangsarbeiter reagierten ohne überschwängliche Freude auf das Urteil. "Das ist noch nicht das Ende der Angelegenheit", sagte Stefan Kozlowski vom Verband der ehemaligen politischen Gefangenen in den Konzentrationslagern. "Jetzt muss erst der Deutsche Bundestag den Rechtsfrieden feststellen - das dauert."

Alle beteiligten Seiten sollten sich jetzt für eine Beschleunigung des Verfahrens und eine zügige Auszahlung an die Opfer einsetzen. "Die Menschen haben keine Zeit und sterben", warnte Kozlowski. "Natürlich freue ich mich, dass ein Teil der Hindernisse ausgeräumt ist. Aber damit ist der Weg zu den Entschädigungen noch nicht endgültig offen."

Der tschechische Regierungsbeauftragte Jiri Sitler nannte die Entscheidung von Kram am Donnerstagabend "einen Verhandlungserfolg der US-Anwälte und der ostmitteleuropäischen Opferverbände". Er appelliere nun an den Bundestag, in den nächsten Tagen die Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen festzustellen.

In Prag, Warschau, Moskau, Kiew und Minsk hatten die Vertreter der Opferverbände den ganzen Donnerstag bangend auf das New Yorker Urteil gewartet. Auch Ludwik Krasucki vom polnischen Verband der jüdischen Veteranen reagierte am Abend erfreut auf die Entscheidung von Kram. "Wir dürfen nicht vergessen, dass für Menschen unserer Generation ein paar Monate Verzögerung ein paar tausend Menschenleben bedeuten", erinnerte Krasucki an das hohe Alter der ehemaligen Zwangsarbeiter.

Von Wolfgang Jung und Eva Krafczyk, dpa