Reaktionen Vorstand aus der "zweiten Reihe"
Frankfurt am Main - Viele Analysten reagierten auf die Verpflichtung Holtrops mit gemischten Gefühlen. "Wichtig ist, dass überhaupt jemand da ist", sagte Nils Machemehl, Analyst bei der Vereins- und Westbank. Der weitgehend unbekannte Holtrop bringe sicherlich Manager-Erfahrung mit und kenne sich in Sachen Finanzen aus, was für ein in den roten Zahlen operierendes Unternehmen gut sei. Fraglich sei jedoch, wie viel Erfahrung Holtrop im internationalen Geschäft und auf den für T-Online wichtigen Gebieten Internet, Online-Inhalte und -Portale habe.
Machemehl sagte, der Markt werde seiner Einschätzung nach die Neubesetzung des Vorstandschef-Postens zwar positiv aufnehmen. "Eine nachhaltige Erholung des Kurses sehe ich aber nicht." Es sei eher mit einer Stabilisierung zu rechnen. Die T-Online-Aktien hätten in jüngster Zeit vergleichsweise gut abgeschnitten, da die Titel von Wettbewerbern wie Terra Networks oder Lycos Europe deutlich stärker unter Druck geraten seien.
"Holtrop wird wohl ein professioneller Manager sein", sagte Holger Bosse, Analyst bei Helaba Trust. "Mir wäre es aber lieber gewesen, wenn der neue T-Online-Chef aus der Internet-Branche gekommen wäre." Offensichtlich sei niemand verfügbar gewesen, der umfassende Medienerfahrung habe. Die Telekom sei deshalb offenbar auf "die zweite Reihe" angewiesen gewesen, sagte Bosse.
Bei der Suche nach einem Nachfolger sei erschwerend hinzugekommen, dass es ein "freier Geist" auf dem Vorstandschefposten unter Umständen schwer haben werde, sich gegen die Interessen der Muttergesellschaft durchzusetzen. "Es war sicherlich schwer, für den Löwenkäfig T-Online einen Interessenten zu finden."
An der Börse konnte die Nachricht von der Ernennung Holtrops einen erneuten Einbruch der T-Online-Aktie nicht verhindern. Nach der Veröffentlichung der Neunmonatszahlen stürzte das Papier bis zum Mittag um gut fünf Prozent auf rund 16,20 Euro. Gleichzeitig gab der Nemax 50 um etwa 3,6 Prozent nach.