Reaktionen zum Rettungsplan "Zypern wird Merkels Wirtschaftsdogma geopfert"
Zyprische Demonstranten halten ein Banner in die Luft: "Schmerzhafte Vereinbarungen"
Foto: AP/dpaHamburg/Thessaloniki - Normalerweise ist der 25. März in Griechenland und Zypern ein Tag der Freude und der Feste. Er markiert den Beginn der Revolution gegen die Herrschaft der Osmanen im Jahr 1821, beide Länder feiern an diesem Datum ihre Unabhängigkeit. Doch an diesem 25. März will keine rechte Feierstimmung aufkommen. Zwar steht der Rettungsplan für Zypern, das Drama der vergangenen Tage scheint überstanden. Die Entscheidung über das Schicksal Zyperns und ihre möglichen Folgen ließen sich aus den traditionellen Festansprachen der Politiker jedoch nicht verbannen:
"Unsere Gedanken sind auf Zypern", sagte der griechische Präsident Karolos Papoulias. "Der Hellenismus steht vor einer Herausforderung, wir brauchen Mut und Patriotismus wie zu Zeiten der Revolution 1821." Nach der traditionellen Militärparade sagte er: "Die EU ist in ihrer Wahl der Opfer voreingenommen und erzeugt eine Kluft."
Bei der Revolutionssymbolik blieb auch der griechische Premierminister Antonis Samaras: "An diesem Tag historischer Erinnerungen leiden der Hellenismus und besonders Zypern", sagte Samaras. "Aber Notzeiten wie diese mussten wir in unserer jüngeren Vergangenheit schon häufiger erleben und haben sie überstanden - solange wir zusammenhalten."
Positiver äußerte sich der griechische Regierungssprecher Simos Kedikoglou. Er sagte, die Vereinbarung der Eurogruppe sei "schmerzhaft, stoppt aber den Weg in Richtung Chaos, das durch einen Ausstieg aus der Eurozone entstanden wäre".
Evangelos Venizelos, Anführer der sozialistischen Pasok, einer der drei griechischen Koalitionsparteien, sagte: "Heute wird unsere Unabhängigkeit auf die Probe gestellt." Noch weiter ging Panos Kammenos, Leiter der rechtspopulistischen Partei "Unabhängige Griechen". Er hetzte, Griechenland habe in den vergangenen drei Jahren "unter einer Art Fremdherrschaft gestanden."
In den griechischen Medien fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Die Mitte-links-Zeitung "Ta Nea" jubelte in ihrem Onlineauftritt am Montagmorgen: "Zypern nach neuer Abmachung gerettet." Die Nachrichten-Webseite newsit.gr schrieb hingegen, dass das Abkommen "eine Strafmaßnahme für Zypern" sei. Zuvor hatte die Zeitung "To Vima" in ihrer Sonntagsausgabe getitelt: "Zypern und Anleger werden Merkels neuem Wirtschaftsdogma geopfert."
In Zypern selbst gaben sich die Politiker zwar erleichtert, dass ein Staatsbankrott Zyperns abgewendet wurde. Allerdings sprachen sowohl zyprische Medien als auch Politiker davon, dass auf Zypern Jahre der Rezession und explodierender Arbeitslosenzahlen zukommen würden. Gleichzeitig sei der Ruf Zyperns als Finanzzentrum zutiefst erschüttert. Nach dem Deal twitterte Nicholas Papadopoulos, Leiter des Finanzkomitees des zyprischen Parlaments: "Eine sehr schmerzhafte Vereinbarung - ab morgen werden wir in einem neuen Zypern leben."