RealNetworks Milliardenklage gegen Microsoft
San Jose - Bei der Klage, die am Donnerstag bei einem Bezirksgericht in San Jose eingereicht wurde, geht es um den Wachstumsmarkt audiovisueller Software, die für das Abspielen von digitaler Sound- und Video-Dateien benötigt werden. Nach Auffassung von RealNetworks hat Microsoft seine Multimedia-Software Media Player an das Windows-Betriebssystem gekoppelt und den Kunden deshalb keine Wahl gelassen, ob sie den Media Player oder andere Produkte nutzen. Außerdem wirft RealNetworks dem Softwareriesen vor, die Vorinstallation Microsoft-fremder Software bei PCs systematisch verhindert zu haben.
"Wir glauben, dass unser Geschäft weitaus größer wäre, wenn sich Microsoft an die Spielregeln gehalten hätte", sagte RealNetworks-Chef Rob Glaser. Nach seinen Angaben könnten die Schadenersatzforderungen eine Milliarde Dollar "deutlich" übersteigen.
Die Europäische Kommission ist ebenfalls der Auffassung, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der audiovisuellen Software missbraucht hat. Sie verlangt deshalb, dass der Konzern, der mehr als 90 Prozent des PC-Softwaremarktes kontrolliert, entweder eine Windows-Version ohne Media Player anbietet oder die Produkte der Konkurrenz in das Startpaket einbindet.
In einem vergleichbaren Fall hatte Microsoft 750 Millionen Dollar an Time Warner bezahlt, deren Browser-Software Netscape wegen der aggressiven Vermarktung des Microsoft Internet Explorer den größten Teil ihres Marktanteils eingebüßt hatte.