Rechenfehler Ford muss seine Bilanz korrigieren
New York - Der zweitgrößte US-Autokonzern muss seine Bilanz für das zweite Quartal nachträglich richtig stellen, wie er der US-Börsenaufsicht SEC mitteilte. Danach liegt der Verlust nun bei 254 Millionen Dollar und somit mehr als doppelt so hoch wie zunächst angegeben. Im Vorjahreszeitraum hatte Ford noch einen Gewinn von 946 Millionen Dollar eingefahren.
Man gehe nun von höheren Kosten für die Mitarbeiterpensionen aus, begründete das Unternehmen die Revision der Zahlen. Statt mit einer Milliarde Dollar in diesem Jahr rechnet Ford nun mit Ausgaben von 1,2 Milliarden Dollar.
Zugleich erklärte das Unternehmen, dass sein Premiumsegment mit den Marken Jaguar, Volvo, Aston Martin und Land Rover in diesem Jahr angesichts des aktuellen Verkaufstrends nicht die Gewinnzone erreichen werde. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" berichtet, Ford prüfe einen Verkauf der Luxusmarke Jaguar. Außerdem gebe es bei Ford Überlegungen, ähnlich wie General Motors Allianzen mit anderen Herstellern ins Auge zu fassen. Ein Fordsprecher betonte allerdings, es gebe keine Pläne, Marken zu verkaufen oder in eine neue Allianz zu investieren.
Ford leidet wie auch GM unter sinkenden Marktanteilen auf dem Heimatmarkt und der Konkurrenz vor allem durch asiatische Hersteller. So hatte der japanische Autobauer Toyota im Juli Ford erstmals in einem Monat bei den Absatzzahlen überflügelt.
Neue Details zum Sparkurs um kommenden Monat
Konzernchef Bill Ford hatte vor zwei Wochen angekündigt, dass er seinen Sparkurs verschärfen wolle, um aus der Krise zu kommen. Neue Details dazu will Ford bis Ende September bekannt gegeben. Schon im Januar hatte Ford angekündigt, bis 2012 in Nordamerika 30.000 Stellen zu streichen und 14 Werke zu schließen. Der Urenkel des Firmengründers musste nun einräumen, dass dies womöglich nicht reichen wird.
In Deutschland beschäftigt Ford derzeit 24.000 Mitarbeiter. Europachef Lewis Booth hatte im April bekräftigt, für 2006 auch nach Steuern schwarze Zahlen zu erwarten.
Mitte der Woche hatte bereits der Opel-Mutterkonzern GM seine Bilanz nachträglich korrigieren müssen - bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. GM teilte der US-Börsenaufsicht mit, im zweiten Quartal sei noch ein zusätzlicher Nettoverlust von 200 Millionen Dollar nachzutragen. Dieser Verlust sei durch höhere Steuernachforderungen aus dem Verkauf von 51 Prozent der Anteile seines Finanzdienstleisters GMAC entstanden. Mit der Veräußerung der GMAC-Mehrheit sichert sich GM dringend benötigtes Geld für seine Sanierung.
itz/mm.de/AP