Rede Merkel mahnt Manager
Berlin - Eigentlich feiert sich die Republik an diesem Tag selbst: 60 Jahre soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik. Für Kanzlerin Angela Merkel ist dies die passende Gelegenheit, Deutschlands Führungsspitzen zur Verantwortung zu rufen: "Achten Sie darauf, dass die Spielregeln des Gemeinwesens eingehalten werden. Sehen Sie jedem auf die Finger", sagte die Kanzlerin bei einem Festakt in Berlin. Jeder verantwortungslose Manager gefährde die Grundlagen der Gesellschaft.
Als Vorbild nannte Merkel unter anderem den früheren Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der auf eine Abfindung verzichtet hatte. Vorbildliches Verhalten an der Spitze von Unternehmen ermutige auch die Mitarbeiter, an das Ideal der sozialen Marktwirtschaft zu glauben.
Innerhalb weniger Monate waren in Deutschland große Wirtschaftsskandale ans Tageslicht gekommen: bei Siemens floss Schmiergeld in Milliardenhöhe, der Discounter Lidl bespitzelte seine Mitarbeiter und die Telekom ließ Journalisten überwachen, um Informationslecks im Aufsichtsrat aufzudecken.
Merkel mahnte auch neue Antworten in der Globalisierung mit der wachsenden Kluft von Arm und Reich an. "Soziale Marktwirtschaft ist niemals das Bündnis der Schwächeren gegen die Starken, wie es manche Diskussion uns in diesen Tagen weismachen will. Es ist immer das Bündnis der Starken mit den Schwächeren."
Merkel würdigte in ihrer Rede Ludwig Erhard, den früheren Bundeswirtschaftsminister und CDU-Kanzler. Erhard hatte am 20. Juni 1948 mit die Währungsreform die Deutsche Mark im Westen des Nachkriegsdeutschlands eingeführt. Über Nacht hatten sich damals die leeren Auslagen der Geschäfte wieder gefüllt. Merkel betonte außerdem, dass die Marktwirtschaft mit der Wiedervereinigung ihre Stärke unter Beweis gestellt habe.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte mit Blick auf die heutige weltwirtschaftliche Lage, Deutschland sei der größte Gewinner der Globalisierung. Er forderte jedoch mehr Kontrolle und Transparenz auf den Finanzmärkten. Viele Menschen empfänden das Spiel mit Billionensummen als ungerecht. "Man ist selber kaum noch in der Lage, die Nullen richtig auseinanderzuhalten", sagte er. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte in seiner Rede dagegen vor ausufernden Sozialausgaben. "Der Rundum-sorglos-Staat ist eine verführerische und gefährliche Illusion."
cvk/kaz/Reuters/dpa