Regierung und Arbeitgeber: Eigenlob in der Lehrstellen-Not - DER SPIEGEL
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Regierung und Arbeitgeber Eigenlob in der Lehrstellen-Not

Tausende Bewerber sind noch ohne Stelle, doch Bundesregierung und Arbeitgeber geben sich zufrieden: Der Ausbildungspakt 2006 werde die Probleme lösen. Die Gewerkschaften protestieren, die Grünen kritisieren die "Selbstbeweihräucherung".
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Berlin - Die Zusagen seien erfüllt und in vielen Bereichen übertroffen worden, teilten die beteiligten Verbände, Ministerien und die Bundesagentur für Arbeit (BA) heute in Sachen Ausbildungspakt mit. Insgesamt seien 67.900 neue Ausbildungsplätze von den Verbänden und Kammern eingeworben worden. 40.500 Betriebe würden nun erstmals ausbilden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Grünen übten derweil harsche Kritik am Ausbildungspakt.

Bis zum 30. September waren nach BA-Angaben noch 49.500 Bewerber unvermittelt. Diese Zahl sei bis Januar um 65 Prozent und damit stärker als in den Vorjahren gesenkt worden. Im Moment seien noch 17.400 Bewerber unvermittelt. Dies seien zwar 1800 mehr als im Vorjahr, doch sei die um 22.000 deutlich gestiegene Zahl an Bewerbern fast komplett aufgefangen worden. "Wir können auch jetzt noch jedem Bewerber ein vernünftiges Angebot machen", sagte BA-Vorstandmitglied Heinrich Alt. Es stünden noch 1700 Ausbildungsplätze, mehr als 15.000 Praktikumsplätze für die Einstiegsqualifizierung sowie rund 2500 außerbetriebliche Ausbildungsplätze der BA zur Verfügung.

DGB: "Das ist bei weitem nicht genug"

Die Arbeitgebervertreter bekräftigten, dass der in diesem Jahr endende Pakt um weitere drei Jahre verlängert werden soll. "Die Frage ist, mit welchen Zahlen und welchen Erwartungen", sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer. Der Pakt dürfte nicht überfrachtet werden.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, warnte davor, den Pakt als "Wundertüte der Nation" zu sehen. "Wer glaubt, die Bildungsmisere könnte durch den Ausbildungspakt ausgeglichen werden, der irrt", sagte Wansleben. Der Pakt sei dazu da, den Ausbildungsmarkt effizienter zu machen.

Deutliche Kritik kam vom DGB. Dessen Sprecher Axel Brower-Rabinowitsch sagte, dass sich der DGB zwar über den Zuwachs an Ausbildungsplätzen freue: "Das ist aber bei weitem nicht genug." Es bleibe nach wie vor eine große Lücke an unversorgten Jugendlichen. Die Zahl derer, die schon mehrere Jahre lang vergeblich einen Ausbildungsplatz suchten, steige kontinuierlich an. Einer Schätzung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIB) zufolge gibt es derzeit 50.000 "Altbewerber".

2007 werde ein geburtenstarker Ausbildungsjahrgang

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer kritisierte die "Selbstbeweihräucherung der Arbeitgeberorganisationen" in Sachen Ausbildungspakt. Man könne den Pakt nicht einfach schön reden, "wenn gleichzeitig die Tatsachen zeigen, dass wir im vergangenen Jahr die größte Lehrstellenlücke seit der Wiedervereinigung hatten", mahnte Bütikofer. Es gebe 500.000 Unternehmen mit Ausbildungsberechtigung, die nicht einen einzigen Lehrling ausbildeten. Weil zudem 2007 "ein geburtenstarker Ausbildungsjahrgang auf uns zukommt", müsse nun "mehr getan werden als 2006", forderte Bütikofer.

Am Ausbildungspakt sind neben DIHK, ZDH und der Bundesagentur auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die drei Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie, für Bildung und Forschung sowie für Arbeit und Soziales beteiligt.

Daniel Staffen/ddp