Regionalverkehr Transnet sagt Bahn-Vorstand Hansen den Kampf an
Berlin - Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen kann sich auf harte Zeiten einstellen. Die Gewerkschaft Transnet - deren Chef Hansen bis vor wenigen Monaten noch war - sagt der Bahn den Kampf an. "Wir werden da nicht mitmachen", erklärte Transnet-Vorstandsmitglied Alexander Kirchner im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Grund für die Empörung: Die Bahn treibe mit dem Plan, bis zu 30 Tochtergesellschaften für den Regionalverkehr zu gründen, "die Spirale des Lohn- und Sozialdumpings weiter nach unten."
Hansen hatte zuvor erklärt, der Konzern müsse flexible Lösungen auf regionaler Ebene finden, wo die Personalkosten im Vergleich zu hoch seien. Der Bahn-Vorstand werde das Problem entweder mit den Gewerkschaften angehen oder eben ohne sie.
Mit Hilfe der neuen Töchter - acht bestehen bereits formal - will der Konzern die bestehenden Tarifvereinbarungen umgehen. So sollen die Personalkosten gedrückt werden. Der Konzern begründet das Vorgehen mit den hohen Tarifabschlüssen von diesem Frühjahr. Das Tarifniveau der Wettbewerber im Nahverkehrsbereich liege nun "bei bis zu 40 Prozent unter dem der Bahn."
Ziel sei nicht "Lohndumping, sondern ein flexibler und produktiver Einsatz der Mitarbeiter als Voraussetzung für wettbewerbsfähige Preise", betont das Unternehmen. Doch die Transnet fürchtet, dass es letztlich auf schlechtere Sozial- und Lohnbedingungen bei den neuen Unternehmen hinauslaufe. "Die Belastung der Mitarbeiter ist jetzt schon sehr hoch", sagt Kirchner. Da sei kein Spielraum, etwa für andere Pausenzeiten oder weitere Aufgaben.
Im Notfall werde man den Rechtsweg beschreiten, sagt der Gewerkschafter. Immerhin schreibe der bestehende Beschäftigungssicherungs-Vertrag vor, dass die Konzern-Tarife auch in neuen Töchtern übernommen werden.
Statt auf neue Unternehmen will Kirchner auf einen Branchentarifvertrag setzen. Den fordert auch die Bahn. Das Problem: Es wird schwierig werden, alle Konkurrenten von dem Vorstoß zu überzeugen, wie auch Kirchner eingesteht.
Die Bahn bastelt deshalb weiter an ihrer Alternativ-Strategie. Mit der nicht tarifgebundenen Tochter Heidekrautbahn hat sich der Konzern schon erfolgreich im Kreis Aachen-Siegen um einen Auftrag für die Zeit nach 2010 beworben. Die Verhandlungen über die dortigen Arbeitsbedingungen stehen allerdings noch an.
ase