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BANKEN Reichlich knauserig

Deutschlands Bankiers tun sich schwer, einen 1,5-Milliarden-Kredit für Polen aufzutreiben.
• aus DER SPIEGEL 33/1980
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Der Bundeskanzler hatte alles so schön geplant. Am Dienstag nächster Woche, wenn der polnische Parteichef Edward Gierek bei Schmidts in Hamburg zu Besuch ist, wollte er dem geschätzten Kommunisten deutsche Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Mark antragen.

Das Geld soll dem Polen helfen, die politische und wirtschaftliche Krise seines Landes ohne Bittgang nach Moskau zu überstehen.

Einsammeln soll Dresdner-Bank-Chef Hans Friderichs das Geld. Doch bislang ist es dem Ex-Wirtschaftsminister nicht gelungen, den Topf für den Gast zu füllen. Ein Kanzlerberater besorgt: »Der läuft noch immer mit dem Klingelbeutel herum.«

Anfang des Jahres hatten die im westlichen Ausland hoch verschuldeten Polen Bonns amtierenden Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff wissen lassen, daß sie dringend Devisenhilfe benötigen. Allein bei deutschen Banken haben sie so hohe Kredite stehen, daß sie dafür in diesem Jahr an Zins und Tilgung 2,7 Milliarden Mark überweisen müssen.

Insgesamt, so rechneten westliche Geldleute zusammen, hat Gierek in diesem Jahr über 13 Milliarden Mark für Rückzahlungen in westlichen Währungen aufzubringen -- eine Summe, die weit über die Zahlungskraft des Nachbarn im Osten hinausgeht.

Gierek, der Mühe hat, seine Landsleute satt zu kriegen und an der Arbeit zu halten, hat sich bei seiner Industrie-Planung verrechnet. Er wollte innerhalb weniger Jahre die Industriekraft Polens mit westlicher Technologie und westlichen Krediten stärken; mit den Produkten der auf Pump gekauften Fabriken sollten die Schulden abgetragen werden.

Doch die Waren »Made in Poland« waren auf den umkämpften Westmärkten nur schwer abzusetzen. Zudem fraßen die teuren Ölimporte aus dem Bruderland Sowjet-Union einen immer größeren Teil der kargen Exporterlöse.

Folge: Die Polen türmten den höchsten Schuldenberg im Ostblock auf. Seit Monaten suchen Giereks Emissäre in den westlichen Industrieländern neue Kredite, um damit die aufgelaufenen Raten der alten Schulden bezahlen zu können. Der deutsche Beitrag, so verabredete Helmut Schmidt mit seinem Finanzminister und mit Spitzenbankern, sollte besonders generös ausfallen: Den Polen wurden noch einmal 1,5 Milliarden Mark avisiert, wovon 500 Millionen für die Erschließung S.25 neuer Kohlegruben auszugeben wären. Die restliche Milliarde könnte dann der Umschuldung dienen.

Doch als der Dresdner-Bank-Chef Hans Friderichs vor drei Wochen per Telex Kollegen aus Groß- und Landesbanken einlud, auf einer gemeinsamen Sitzung ihre Kreditanteile zu zeichnen, stieß er auf Zurückhaltung.

Friderichs schlug für seine Bank und für die drei anderen großen Privat-Banken -- die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Bank für Gemeinwirtschaft -- Quoten von nur 100 Millionen Mark vor. Das schien den Kollegen aus den anderen Geldinstituten denn doch reichlich knauserig.

Sie haben den Großbanker im Verdacht, mit dem neuen Kredit vor allem sein eigenes Risiko aus alten Polen-Krediten mindern zu wollen. Denn Friderichs'' Dresdner erwartet in diesem Jahr eine Tilgungsrate von 300 Millionen Mark aus Warschau -- Geld, das die Polen mit dem neuen Kredit bezahlen würden.

Es war freilich nicht nur Friderichs'' Trick, ganz elegant sein Polen-Risiko um rund 200 Millionen Mark zu verkleinern, der die anderen zögern läßt. Die Banker verdroß überdies, daß von den 1,5 Milliarden Mark nur die 500 Millionen für die Kohlengruben durch eine staatliche Hermes-Bürgschaft abgesichert würden.

Vergeblich hatten sich Polen und Banker in Bonn bemüht, auch die Umschuldungs-Milliarde durch eine Bürgschaft sicher zu machen. Doch Bonn blieb hart: Für freie Finanzkredite haftet der Staat grundsätzlich nicht.

Um so größer scheint den Bankern jetzt das eigene Risiko, ohne öffentlichen Rückhalt bei den überschuldeten Polen mit neuen Krediten einzusteigen. Vor allem die Westdeutsche Landesbank, die laut Friderichs-Plan mit 100 Millionen Mark belastet werden soll, winkte ab. Er sei, ließ WestLB-Chef Johannes Völling wissen, allenfalls mit 30 bis 50 Millionen Mark dabei.

So hatte Friderichs Ende voriger Woche lediglich 400 Millionen zusammen: je 100 Millionen von den vier Mitgliedern der Führungsgruppe im Polen-Konsortium.

Vom Brahmsee aus verfolgt der Kanzler mit zunehmender Verdrossenheit das Schachern der Geldverleiher. Ein Beamter aus dem Kanzleramt beschreibt den Unmut seines Herrn: »Wofür haben wir denn Geschäftsbanken, wenn die kein Risiko eingehen?«

An diesem Montag will sich die Spitzencrew des Konsortiums bei Friderichs in Frankfurt zu einer neuen Runde treffen. Doch die Aussichten, die 1,5 Milliarden voll zusammenzubekommen, waren Ende voriger Woche reichlich trübe.

Zwar reist -- auf dringenden Wunsch von Friderichs -- auch WestLB-Bankier Johannes Völling an den Main. Aber mehr Geld, das hat er vorab wissen lassen, will er nicht beisteuern. Ähnlich reserviert zeigen sich andere Landesbanken wie die norddeutsche, die hessische und die bayrische.

Ein Teilnehmer der Montagsrunde: »Wir sehen unsere politische Verantwortung. Aber befehlen kann uns der Kanzler nichts.«

S.25Anfang Mai 1980 im Belgrader Hotel »Interconti«.*

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