Reichste Deutsche: Dr. Oetkers Erfolgs-Rezept - DER SPIEGEL
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Reichste Deutsche Dr. Oetkers Erfolgs-Rezept

Abseits der Bielefelder Backpulver-Dynastie legt Arend Oetker eine steile Unternehmerkarriere hin. Mit sicherem Gespür für Marktnischen mehrt er das eher karge Erbe seiner Familie auf geschätzte 3,6 Milliarden Mark.
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Mehrfach und entschieden hat Arend Oetker es inzwischen öffentlich betont: Mit dem eigenen unternehmerischen Werk habe er dem mächtigen Clan seines Onkels nicht beweisen wollen, wie man es auch ohne großes Erbe weit bringen kann. Keineswegs habe ihn der Zorn darüber angetrieben, dass seine Mutter bei der Nachlass-Verteilung viel schlechter als jener abgeschnitten habe. Gleichwohl: Ursula Oetkers Erbteil nimmt sich gegen das Backpulver-Imperium, das an ihren Bruder Rudolf August Oetker geht, bescheiden aus. Ihr werden die Buxtehuder Safterei Altländer Gold, die Nähmaschinenfabrik Kochs Adler in Bielefeld und der Marmeladenhersteller Schwartauer Werke zugedacht. Kleines bis mittleres Gewerbe und allesamt Betriebe, die schon ertragreichere Zeiten erlebt haben.Ende der sechziger Jahre, Arend Oetker hat soeben in Betriebswirtschaft promoviert und liebäugelt mit einem Job in San Francisco, lässt sich der 28-Jährige in die familiäre Pflicht nehmen. Nolens volens steht er an der Spitze von drei sanierungsbedürftigen Firmen. Der Jungunternehmer geht an die Arbeit. Aus dem maroden Industrievermögen seiner Mutter zimmert Oetker einen internationalen Familienkonzern mit Milliardenumsatz, der ihn auf Platz 46 im mm-Ranking der 100 reichsten Deutschen bringt.Den "Saftladen im doppelten Wortsinne", wie ihn Arend Oetker später einmal nennt, stößt er rasch ab. Kochs Adler macht der neue Firmenlenker wieder flott, indem er sich auf die Fertigung von Industrienähmaschinen konzentriert. Und auch die Schwartauer Marmeladenkocherei, die er auf Konfitüren, Back- und Dekorartikel spezialisiert, um den großen der Branche nicht ins Gehege zu kommen, ist alsbald auf Gewinnkurs gebracht. Dr. Oetkers Erfolgs-Rezept: Lukrative Nischen besetzen und Manager durch Beteiligung zu Unternehmern machen. Märkte, auf denen der Ostwestfale nicht die Nummer eins werden kann, meidet er konsequent. Die leitenden Mitarbeiter seiner Firmen beteiligt er "durchgehend" am Kapital: "So handeln sie wie Unternehmer" und Oetker braucht das operative Geschäft nicht selbst besorgen, sondern kann sein Augenmerk auf strategische Entscheidungen richten.Darüber hinaus erschließt sich der vielseitig Interessierte ein weiteres Bestätigungsfeld. Der "Konsensmensch" Arend Oetker, von dem es heißt, dass er hervorragend integrieren und ausgleichen könne, verschreibt sich der Mitarbeit in zahlreichen Verbänden. Viele Jahre steht er an der Spitze des Arbeitergeberverbands, noch heute ist Oetker Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft wie auch Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie.Bei allem Verbands-Engagement, auf das er vorübergehend fast die Hälfte seiner Zeit verwendet, versteht sich Oetker in erster Linie als Unternehmer. Als solcher folgt er Mitte der achtziger Jahre dem Ruf seines damaligen Schwiegervaters Otto Wolff von Amerongen an die Spitze der Otto Wolff AG. Die Kölner Firmengruppe war in schwere Schieflage geraten. Oetker übernimmt mit rund zehn Prozent der Aktien einen Teil des Risikos und stellt abermals sein Geschick als Sanierer unter Beweis. Christian Keun, manager-magazin.de